Zischeln und Brausen

Weill: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny Händel: Alessandro Wiesbaden / Maifestspiele

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In der Welt der Oper tickt die Uhr mancherorts langsamer – und so ist die Provokation, die «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» 1930 darstellte, im goldprunkenden Neo-Rokoko-Rund des Wiesbadener Theaters bis heute recht einfach zu haben. Da zünden die bissigen Texte noch, da wird im Festspielpublikum gezischt, wenn die Prostituierte Jenny ihren Slip auszieht.

So erreicht die letzte, insgesamt brave und plakativ dekorierte Operninszenierung des 2014 scheidenden Intendanten Manfred Beilharz doch irgendwie ihr ­Publikum, wenn auch die Schlussszene mit hochgehaltenen Schildern («Gegen die Rettung des Euro», «Occupy», «Enteignung der Banken») sehr indifferent gerät. Der Abend hat den Rhythmus ­einer gepflegten Nummernrevue, die das Opernensemble mit mäßiger Textverständlichkeit serviert. Wer es üppig mag, ist mit Andrea Bakers vollstimmiger Leokadja Begbick und dem kräftig aufdrehenden Tenor Daniel Brenna als Jim Mahoney gut bedient. Wer schöne Stimmen bewundert, wird von Emma Pearson – Wiesbadens amtierender Lucia und Zerbinetta – mit engelsgleichen Tönen verwöhnt.
Generalmusikdirektor Zsolt Hamar, der am Vorabend der von uns besuchten zweiten Vorstellung eine «Lohengrin»-Gala mit ...

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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Claus Ambrosius

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