Geometrie der Liebe
So machen’s nicht alle, aber viele. Und natürlich nicht nur Frauen, weswegen der Titel «Così fan tutte» als genderpolitisch heikel gilt. Aber auch «Così fan tutti» würde nicht jede(n) befriedigen, ist doch das «i», das für alle Menschen steht, männlich. Eine Diskussion darüber wäre freilich heute obsolet, denn «Così» spiegelt, wie der Regisseur Joachim Herz einmal feststellte, Gefühle und Verhaltensweisen des 18. Jahrhunderts: die Sprache ist jene Metastasios, wenn auch oft parodiert, und die Situationen folgen Rokoko-Klischees.
Dass es sich bei dem Arrangement zwischen Ferrando, Guglielmo und Don Alfonso um eine typische Pissoir-Wette unter Machos handelt, die immer möglich ist, kann nicht darüber hinwegtäuschen.
Wie dem auch sei: Die Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker – die als «belgische Pina Bausch» anzusprechen angeblich nur Lebensmüde wagen – hat sich wie ihr deutsches Äquivalent aufs Panier geschrieben, die Genderverhältnisse geradezurücken. Auch in ihrer Pariser Exegese von Mozarts Oper der (Ver-)Tauscherotik. Ein weißer, beinahe aseptischer Raum, geometrisch strukturiert durch Kreise, Spiralen und Pentagramme, der in reizvollem Kontrast zum Auditorium des Palais ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Gerhard Persché
Schon das erste Bild fasziniert in seiner suggestiven Erzählkraft: Das vielfach verflochtene Schicksalsseil der Nornen hängt, den gesamten Hintergrund ausfüllend, in zwei riesigen Knoten aus dem Schnürboden herab. Ein gelungener Entwurf der für das Bühnenbild zuständigen japanischen Installations- und Performancekünstlerin Chiharu Shiota – klar in der Optik,...
Wolfgang Borchert, der Literat der Stunde, formulierte es so: «Wir sind die Generation ohne Bindung und ohne Tiefe. Unsere Tiefe ist der Abgrund.» Borchert war 1921 geboren und traf unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg den Nerv der Zeit; «Trümmerliteratur» hat man das später genannt. «Draußen vor der Tür» heißt sein einziges Schauspiel, und es umreißt ein...
Benedikt von Peter ist Herr über ein Haus mit den Ausmaßen einer Puppenstube, aber er denkt gar nicht daran, deshalb kleine Brötchen zu backen. Seine Intendanz in Luzern hat bislang ein Theater produziert, das sich nicht einsperren lässt, sondern die Stadt konsequent in Besitz nimmt, sich einmischt und mit kühnen Ideen Gehör verschafft statt mit Krawall und Getöse....
