Musik der Verzückung
Frédéric Chopin gilt als «größter polnischer Komponist». Derlei Zuordnungen haben in der Regel ihr Richtiges wie Falsches. Denn trotz seiner Polonaisen und Mazurken war der in Paris lebende Chopin weniger ein nationaler als ein «europäischer» Komponist. Und das, obwohl Friedrich Nietzsche 1888 bekannte: «Ich bin immer noch Pole genug, um gegen Chopin den Rest der Musik hinzugeben.
»
Karol Szymanowski, der zwischen Chopin und Witold Lutoslawski prominenteste polnische Komponist, hatte ein äußerst ambivalentes Verhältnis zu seiner Heimat, war überdies ein Außenseiter im Grenzbereich von Fin de Siècle und Moderne. Nun ist «Übergang» ein schwammiger Begriff, denn alle Geschichte ist im Fluss. Aber Szymanowski hat überaus kreativ die verschiedenartigsten Einflüsse integriert: Von Chopin ausgehend, über Skrjabins Weiterungen hinaus, geriet er in den Bann Debussys, Strauss’ und Regers (von dem die riesigen Fugen der drei Klaviersonaten zeugen), selbst Strawinskys. Den Kosmopoliten zog es in des Orients magische Welten, zu filigran-ekstatischen Klang-Wundern wie zu homoerotischen Verlockungen. Er kehrte mehrfach nach Polen zurück, als unkonventioneller Internationalist misstrauisch ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 53
von Gerhard R. Koch
Eine Weltpremiere sollte es werden am Fuße des Erfurter Doms: «Der Name der Rose» als Musical. Die beiden Norweger Øystein Wiik (Text) und Gisle Kverndokk (Musik) schrieben ihr Stück nach Umberto Ecos Jahrhundert-Roman quasi auf die Domstufen. Uraufgeführt wurde an diesem Abend allerdings nur die erste Dreiviertelstunde des Bühnenwerks.
Zunächst begrüßt Guy...
Seit 1975 macht das Festival della Valle d’Itria in der süditalienischen Kleinstadt Martina Franca mit Unbekanntem, Ausgrabungen und ungewöhnlichen Fassungen geläufiger Werke von sich reden. Während das Publikum gerade den Spezialitäten-Zuschnitt des Programms schätzt – selbst aus Asien reisen immer mehr Besucher an –, ist die ideelle wie finanzielle Unterstützung...
Seit 1993 bittet «Opernwelt» Musikjournalisten um ihre persönliche Bilanz der jeweils vorausgegangenen Spielzeit. Im ersten Jahr kamen die Voten beinahe ausschließlich aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bald nahmen auch Kritiker aus Italien, Frankreich, Großbritannien, den Benelux-Ländern und den USA an unserer Umfrage teil. Seit 1998 steuern Jahr für...
