Auf Abwegen
Bildmacht ist Barrie Koskys Theater gewiss nicht abzusprechen. Olympia: ein Doppelwesen, bestehend aus einer tumben Stoffpuppe (einem Mann) und einem Automatenmöbel, aus dessen mittlerer Schublade ein roter Rapunzel-Zopf hervorzüngelt. Hoffmann, aufgespalten in gleich drei Figuren, sitzt als alter Mann (Uwe Schönbeck) auf einer Riesenraute aus leeren Pfandflaschen und sieht aus wie der Kritiker Dennis Scheck. Der flächige Kippschalter, über den Auf- und Abtritte erfolgen, ist ein Meisterstück suggestiver Bühnentechnik.
Und doch wird man mit diesem «Hoffmann» nicht glücklich.
Die eingespeisten Prosatexte, das skelettierte Musikkorpus, die «Don Giovanni»-Zitate, all das wird ohne weiteren Hinweis in einer dreistündigen Fassung verwurstet, die vorgibt, das Original zu sein. Die Transengruppen und Arschwackeltruppen – ein Markenzeichen des Hausherrn – bevölkern die Bühne allzu wohlfeil.
Vor allem verfügt keine Figur über mehr psychologische Tiefe als ein Nummerngirl. Jede Bewegung wird von der Rampe her definiert. Koskys Theater, im dritten Jahr seines erfolgreichen Wirkens in Berlin, droht sich in der Endlosschleife eines hüftschwingenden Revuegeistes zu erschöpfen. Es repräsentiert ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2015
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Kai Luehrs-Kaiser
Herr Terfel, Sie sind einer der erfolgreichsten Sänger überhaupt. Woher kommen die Gerüchte, Sie wollten Ihre Karriere aufgeben?
Vor einiger Zeit habe ich für ein Jahr meine Opernaktivitäten ausgesetzt, um mich auf Lied und Oratorium zu konzentrieren – Oper kostet viel Zeit. Und mit 45 war ich tatsächlich an einem Punkt, an dem ich darüber nachgedacht habe, mich...
Mit szenischen Glanzleistungen haben die Moskauer Opernhäuser ihr Publikum in der vergangenen Spielzeit zwar nicht verwöhnt – es gab wenig Neues und kaum Extremes zu sehen –, doch musikalisch lohnte mancher Abend den Gang ins Theater. Tugan Sokhiev etwa gab mit einer konzertanten Aufführung von Tschaikowskys «Jungfrau von Orléans» seinen Einstand als Musikchef des...
Vor hundert Jahren war Carl Goldmarks Name in aller Munde und seine Oper «Die Königin von Saba» ein Welterfolg. Elias Canetti, der als Kind im selben Wiener Haus wie der greise, am 2. Januar 1915 gestorbene Komponist wohnte, hat in seiner Autobiografie «Die gerettete Zunge» beschrieben, wie nach Goldmarks Tod am Tag des Begräbnisses die Straße «schwarz von Fiakern...
