Der schwere Verdi
Da kneift man sich diesen ganzen Freiburger «Rigoletto» hindurch: Eine Bühne, die es mit Ligeti, Kagel und Penderecki, mit dem Strauss der «Elektra», jüngst einem hochrespektablen «Lohengrin»und zum wiederholten Mal dem kompletten «Ring»aufnimmt – diese Bühne erlebt beim mittleren Verdi ein Problem nach dem anderen. Vor allem staunt man, wie schwer diese scheinbaren Selbstverständlichkeiten in Wahrheit doch zu singen sind.
Man hat zwar einen höhensicheren, eher lyrischen und mit mancher schönen Phrase aufwartenden Herzog (Mario Sofroniou), und man besetzt die Räubergeschwister markant (Jin Seok Lee und Sally Wilson). Aber man hat eine distanzierte Gilda, die mit etwas unpersönlichem Timbre unterwegs zu ihrer Aufgabe ist (Aleksandra Zamojska), oft zu tief ansetzt und kühl lässt, namentlich jedoch eines nicht beherzigt: wenn schon gewagte Höhen-Extras, dann nicht am Rande des Schiffbruchs.
Hauptsächlich aber denkt der Besucher sich: Das soll jener Juan Orozco sein, der hier schon dreimal mit Verdi reüssierte, der Simon Boccanegra, Renato und Jago zwar manchmal etwas stimmprotzig, aber auch immer wieder imponierend schaffte? Durch die Partie des Rigoletto stemmt, schludert, greint und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Heinz W. Koch
ARTE
1./7.5. – 6.00 Uhr
Musik für die Zukunft Venezuelas – El Sistema.
Dokumentation von Paul Smaczny und Maria Stodtmeier.
2./8.5. – 6.00 Uhr
Der Derwisch.
Festival d’Aix-en-Provence 2008. Rezital Moneim Adwan.
2.5. – 15.05 Uhr
Geliebte Clara.
Spielfilm von Helma Sanders-Brahms über Clara Schumann. Mit Martina Gedeck, Pascal Gregory, Malik Zidi, Clara Eichinger, Aline...
Abschied
Er selbst bezeichnete sich einmal als «Kritiker, Dramaturg, Intendant und Bücherschreiber über Musik und Kunst». 1931 in Budapest in eine jüdische Familie hineingeboren, überlebte Ivan Nagel den Naziterror in einem Budapester Versteck, bevor er 1948 nach Zürich floh. Nach dem Studium in Paris, Heidelberg und Frankfurt am Main, wo er u. a. Philosophie bei...
Es wird viel Blut vergossen. Schon während des Vorspiels. Ein Video zeigt eine weiße Leinwand, in die eine Messerklinge langsam einen Schlitz schneidet, aus dem zäh der ganz besondere Saft tropft. Mit Blut besudelt ist auch Harald B. Thors weißes, an faschistische Machtarchitektur erinnerndes Einheitsbühnenbild, und üppig strömt es stets aus Amfortas’ Wunde. Im...
