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Für jeden Versuch, Wagners «Ring» als realistisch-gesellschaftskritisches Musiktheater zu erzählen, ist der dritte Akte der «Walküre» die größte Hürde: Während sich die «Rheingold»-Personage problemlos auf moderne Hierarchiemuster übertragen lässt und selbst der Drache im «Siegfried» schon längst als Maschinenpopanz entlarvt worden ist, will sich für die Wotanstöchter nach wie vor kaum eine überzeugende Analogie im wirklichen Leben finden.
Wo wären denn so wilde Mädchen, die tote Krieger einsammeln und auf das Kommando eines alten Herrn hören?
Die Antwort, die Barrie Kosky an Hannovers Opernhaus auf diese Frage versucht, ist immerhin spektakulär: Seine Walküren haben ihre Rüstungen mit alten Lederjacken vertauscht und sich eine verlassene Tankstelle als Treffpunkt ausgesucht. Selbstbewusst reihen sich diese bösen Motorradbräute an der Rampe auf und schleudern ihre Hojotohos als Kampfansagen ans Publikum – so sehen Walküren im MTV-Zeitalter aus. Ein polarisierender Knalleffekt ist diese an die Werke des US-Underground-Sexfilmers Russ Meyer («Die Satansweiber von Titfield») erinnernde Viertelstunde allemal. Leider aber auch nicht viel mehr. Denn schon die blutbesudelten nackten ...
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André Previn brachte es auf den Punkt: «Copland stand in Hollywood vor allem für eines: ‹weniger Noten›». Der vor den Nazis aus Berlin über Paris nach Amerika geflohene jüdische Emigrant wusste, wovon er sprach. Filmmusik war eines von Previns vielen Steckenpferden (der Jazz ein anderes), als Dirigent wie als Komponist hatte er sich immer wieder um die...
Durch die Opera-Rara-Aufnahme von 1993 wurde Mayrs «Medea» erstmals einem größeren Publikum bekannt. Nun liegt ein Mitschnitt der St. Gallener Produktion vom Herbst 2009 vor (siehe auch OW 12/2009). Die Besetzung der Titelpartie könnte unterschiedlicher kaum sein: hier die Wagner-Heroine Jane Eaglen (durchaus mit Piano-Farben), dort die (inzwischen leider zum...
Als im Oktober letzten Jahres in Berlin der Musikästhetiker Heinz-Klaus Metzger starb, schien nicht wenigen eine Epoche zu Ende zu gehen – charakterisiert nicht zuletzt durch einen hoch entwickelten theoretisch-kritischen Diskurs in der Nachfolge des Hauptphilosophen der «Frankfurter Schule», Theodor W. Adorno. Metzger war der intellektuelle Protagonist der die...
