In der Manege
Im historischen Teatro Nacional de São Carlos hangelt sich Alberich als Quereinsteiger aus der No-Future-Generation zur welterschütternden Tat. Nur mit roter Irokesenbürste und einem Wollhöschen bekleidet, das mehr schlecht als recht eine gewaltige Protuberanz verhüllt, kauert er auf einer güldenen Logenbrüstung, um sich an den Tutus und Pumps der drunten pirouettierenden Rheintöchter aufzugeilen.
Man hat sich noch kaum an den Anblick der mitten ins Parkett gebauten «Ring»-Sonderbühne gewöhnt, da hat er auch schon seinen blau-weiß gestreiften Superanhang hervorgekramt und den walzernden Damen zum Beweis seiner Interessen hingehalten. Auch nach dem Ergreifen des (hier mittels einer Diskokugel raumfüllend gestreuten Licht-)Goldes und dessen spekulativer Mehrung in einem von Blues-Brother-Klonen am Laptop betriebenen Nibelheim taucht das Gemächt wieder auf: Der Drache, in den sich Alberich unter Einsatz des (guten, alten) Tarnhelms verwandelt, ist – ein blau-weiß gestreifter Riesenringelwurm. Botschaft angekommen?
Graham Vick arbeitet bei seiner in Lissabon gestarteten ersten «Ring»-Regie nicht nur im Fall der Nachtalben mit plakativen, vornehmlich aus Sport und Hollywood-Lichtspiel ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Was hätte dieser Abend für eine Entdeckung werden können: Antonio Salieris einstiger Kassenschlager, der 1788 – kurz vor der Französischen Revolution – in Wien Mozarts «Don Giovanni» an Aufführungen und Publikumsgunst haushoch übertraf. Doch für den Sprengstoff des Librettos von Lorenzo da Ponte hatte der Regie führende Intendant Ulrich Peters keinen Sinn....
Kleine Opernhäuser leben im Spagat. Einerseits sind sie für kulturelle Basisversorgung zuständig, sprich, sie müssen ihrer Stadt samt Umland früher oder später eine «Bohème» anbieten, und auch ein Musical wird gelegentlich erwartet. Andererseits brauchen sie als Legitimation überregionales Echo. Das klappt eigentlich nur durch konstante Arbeit am Niveau und durch...
Blauweiße Kacheln mit Herzchenmuster. Weißes Giebelfachwerk, Krüge schwenkende Bauern. Eine Wiederauflage von Heinz Schenks legendärem «Blauen Bock»? Beinahe! Stein Winge inszeniert an der Oper Frankfurt Bedrich Smetanas «Verkaufte Braut». Der norwegische Regisseur verpflanzt die tschechische Festoper par excellence in eine spießige Tümelei. Kostümbildner Jorge...
