Apropos... Mal was Heiteres!
Herr Gerhaher, von Ihrem Debüt als Don Giovanni war nicht unbedingt zu erwarten, dass Sie die Rolle als Erotik-Protz, als aggressiven Verführer anlegen. Sondern?
Ich kann Ihnen ehrlich sagen: Ich hatte sechs Wochen vor der Premiere nicht die geringste Ahnung! Was ich hatte, waren Komplexe. Es ist doch ganz klar, dass man sich für den Don Giovanni vom Typus her eher einen Jonas Kaufmann wünschen würde als mich. Was immer ich über den Don Giovanni lese, macht mir Probleme. Das Virile etwa hat bei mir gar keine wirkliche Adresse.
Was interessiert Sie an Don Giovanni?
Mich interessiert, dass er ein Mann ist, der nie Zweifel an seiner Rolle hat. Wobei: Ich glaub ihm auch das nicht ganz! Dem Rezitativ nach dem Duell fehlt alles Komische. Auch alles Triumphale. Stattdessen: Entsetzen! Es ist der Schreck des Raskolnikow nach der Tat. Don Giovanni ist für mich aber auch nicht daran interessiert, Frauenschicksale zu zerstören.
Kein Zerstörer. Aber doch ein Verführer?
Ich glaube, die Nähe Giovannis zu Casanova, der die Frauen wirklich geliebt hat, liegt lange zurück. Er weiß natürlich noch, wie sein Handwerk geht, aber die Lust daran hat er in meinen Augen nicht mehr. Als Beispiel das Ständchen: ...
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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Kai Luehrs-Kaiser
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