Gebet der Lebenden und der Toten

Die Nederlandse Opera wagt sich an Rimsky-Korsakows «Kitesch»; eine Produktion aus Cagliari liegt auf DVD vor.

Opernwelt - Logo

Der Musikwissenschaftler Richard Taruskin hat Nikolai Rimsky-Korsakows vorletzte, ein Jahr vor seinem Tod 1907 uraufgeführte Oper «Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch und der Jungfrau Fewronija» als «eine Art Testament» bezeichnet. Dmitri Tcherniakov erlöst das Werk aus der verbiegenden Heiligsprechung eines russischen «Parsifal» und holt es in seiner grandiosen Ams­terdamer Inszenierung auf den Boden der Wirklichkeit zurück.

Was wir sehen, ist glutvolles Theater, das ganz nah an der Handlung des Librettos bleibt, sie aber in reale Bilder übersetzt und dennoch die Poesie des inneren Geschehens bewahrt. Rimsky-Korsakow hat in diesem Gipfel- und Endpunkt der russischen Operngeschichte des 19. Jahrhunderts zwei unabhängige Stoffquellen miteinander verbunden: den Tatareneinfall, der zur Vernichtung der Stadt Kitesch führt und die Legende von der den Tod überdauernden Liebe der Bauerntochter Fewronija zum Fürsten Wsewolod. Während das historische Sujet des Tatareneinfalls mit seiner grausamen Realität die beiden Binnenakte beherrscht, steht Fewronija als Sinnsucherin eines naturmystischen Pantheismus im Zentrum der Außenakte. Ihre Gebete bewirken ein Wunder: Der aufziehende ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Uwe Schweikert und Boris Kehrmann

Weitere Beiträge
Servus Innsbruck: Brigitte Fassbaender

Nur geborgt sei dieses Amt, betont sie immer wieder. Und dann ist doch eine Dauerleihgabe daraus geworden: Dreizehn Jahre lang amtiert Brigitte Fassbaender schon als Intendantin des Tiroler Landestheaters in Innsbruck. Ein Opernstar an der Theaterspitze, das hat nach wie vor Seltenheitswert. Wolfgang Windgassen probierte es einige Jahre in Stuttgart, Plácido...

Geschmeidig, wunderlich, herzbewegend

Endlich! Eine zwei CDs umfassende Sammlung mit Aufnahmen eines der feinsten lyrischen Baritone der Sechziger- und Siebzigerjahre: Barry McDaniel. Der 1930 in Kansas geborene Amerikaner gehört in das Molto-Triste-Kapitel über Sänger höchsten Ranges, denen der Weg ins Studio der großen Firmen aus wohlbekannten Gründen («Alles, was du bist, bist du nur durch...

Im Sturm

Die zweite Oper des amerikanischen Komponisten Carlisle Floyd verdankt ihr Dasein einem Zufall. Nachdem sein Erstling «Susannah» in New York freundlich angenommen worden war, hatte die Sängerin der Titelrolle um eine wirkungsvolle Konzertarie gebeten. Floyd griff kurzerhand auf einen Text zurück, den Schauspielerinnen damals gern zum Vorsprechen benutzten: eine...