Außer sich

Opernwelt - Logo

In der zweiten Folge ihres Recitals bekannter und wenig bekannter französischer Opern spannt Véronique Gens den Bogen von Rameaus «Les Paladins» bis zu Berlioz’ «Les Troyens», also über ein Jahrhundert, in dem sich in der französischen Kultur und Politik viel bewegt hat. Alces­te, Antigone, Didon, Hermione und Cassandre drücken im Gewand der Antike auch die Befindlichkeiten der jeweiligen Entstehungszeit der Opern aus.
Der Titel «Tragédiennes» mag irreführen, denn eine Tragödin im eigentlichen Sinne ist Véronique Gens nicht.

Der empfindsame Ton steht ihr näher als das exaltierte Furioso. Entsprechend singt sie in Cherubinis «Médée» auch keine Arie der Titelheldin, sondern den Klagegesang der Neris, die sonst mit einem Mezzo besetzt wird. In allen Frauenfiguren dieser Kollek­tion präsentiert sich Gens als eine femme fragile, die durch den Druck der äußeren Umstände außer sich gerät. Und die Talens Lyriques unter Christophe Rousset heizen ihr dabei gewaltig ein. Sensibilität und die Delikatesse ihres Vortrags bestricken, doch wirkt die helle, klare So­pranfarbe der Stimme auf die Dauer etwas einförmig in einem Repertoire, das nach dunklen Abschattierungen verlangt.

Véronique Gens: ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Das könnte Sie auch interessieren:
Interview mit Veronique Gens


Opernwelt Dezember 2009
Rubrik: Medien | CDs, Seite 39
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Auf dem Weg nach oben

Jeder neue Veranstaltungsort der darstellenden Künste strebt danach, zwei Kriterien zu erfüllen: ein äußeres Erscheinungsbild, das das Publikum anzieht wie ein Magnet, und ein Interieur, das den Besuchern ein Gefühl behaglicher Wärme und Intimität vermittelt. Das Winspear Opera House in Dallas erreicht nicht nur beide Ziele, es überwältigt seine Besucher in...

Im Westen ein bisschen Neues

Wenn die Wirtschaft in Nöten steckt, muss auch ein Impresario Abstriche machen. An der San Francisco Opera bedeutet das: Bei den Besetzungen klotzt man, bei den Inszenierungen wird gespart. Von den neun Produktionen, die in dieser Spielzeit auf dem Programm stehen, sind acht bereits anderenorts herausgekommen, viele wurden schlicht eingekauft.
Bisweilen geht die...

Onore e patria

Zweimal in seinem Leben soll Gioacchino Rossini dem Vernehmen nach geweint haben: einmal, als er Paganini spielen hörte, und dann, als ihm bei einer Bootsfahrt ein mit Piemonteser Trüffeln gefüllter Truthahn ins Wasser fiel. Se non è vero, è ben trovato. Dazu passt, dass Beethoven seinem italienischen Kollegen den Rat gab, doch bitteschön nur das komische Genre zu...