Janácek: Katja Kabanova

Kassel

Opernwelt - Logo

Alles ist offen. In der Kleinbürgermietskaserne samt tristem Innenhof fehlen die Wände. Jeder kann jeden sehen. Nur eine hat einen Vorhang, die Kabanicha, unangefochtene Herrscherin über den Block. Eine Domina im doppelten Sinne: Blockwart und sexuelle Herrscherin über Kaufmann Dikoj (Stephen Owen), dem sie mit der Peitsche zu Leibe rückt. Damit die anderen nicht sehen, wenn Sittenstrenge über die Stränge schlägt, braucht diese Kabanicha einen Sichtschutz.


Das Bühnenbild von Gabriele Rechs «Katja»-Neuinszenierung ist ein Blickfang und zugleich verdichtetes, in eine undefinierte Gegenwart geholtes Sinnbild für die Enge der Personenkonstellation. Raum für kleine oder große Fluchten gibt es nicht. Nur ein klitzekleines Gärtchen für die Auszeit. Hier entspannen sich der freigeistige Lehrer Kudr­jasch und seine Barbara; hier vereinbaren Katja und Boris (Thomas Piffka) Liebesnächte; hier zeigt sogar die Kabanicha ein wenig Gefühl, wenn sie welke Blütenblätter abzupft.
Bühnenbild und Inszenierung fanden in Kassel Zustimmung, auch die durchweg guten schauspielerischen Leistungen. Beim Gesang musste man Abstriche machen. Die Titelrolle mit Janat Harach zu besetzen, war leider kein guter ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2007
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 61
von Johannes Mundry

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zwei Ansichten

Trabuco sitzt vorn und schält Möhren für seinen Esel. Hinter ihm läuft das Volk auf und ab, hat Schutz gesucht vor dem Regen. Es ist eine böse Zeit. Krieg im Land.
Dietrich Hilsdorf hat erneut eine Verdi-Oper fürs Essener Aalto-Theater in­szeniert. «La forza del destino» bildet die siebte von insgesamt elf Produktionen. Doch Hilsdorf spielt, seit einiger Zeit schon,...

Kluger Klangrausch

In Riga hatten es die Werke des eins­tigen Kapellmeis­ters Richard Wagner (er amtierte am längst zerstörten Stadttheater) nicht gerade leicht – der letzte zyklische «Ring» liegt gut hundert Jahre zurück. In den Spielplänen der vergangenen Jahrzehnte taucht der Name Wagner nur spärlich auf. Und wenn es doch mal einen «Hol­länder» oder «Lohengrin» gab, so im...

Eine Frage der Perspektive

Es gibt zwei Möglichkeiten, sich von dem prächtigen und skurrilen Opern­vogel in Valencia ein Bild zu machen. Eine Möglichkeit ist Ebene Minus Zwei. Das ist die Ebene des ehemaligen Fluss­bettes, in das Santiago Calatravas «Palau de les Arts» eingepasst ist. Sie liegt unterhalb des Straßenniveaus und wird von künstlichen Seen bestimmt, die die Bauten der...