Magische Bilder
In ihrer Neuinszenierung von Wagners «Tannhäuser» griffen Bühnenbildner Roland Aeschlimann und Regisseur Peter Beat Wyrsch auf das Konzept ihrer «Ring»-Deutung zurück. Aeschlimann hatte den Graben wieder überdeckelt, was nicht nur dem Klang des unter der Leitung von Rainer Mühlbach erstaunlich differenziert und tonschön spielenden Orchesters zugute kam, sondern die Rampe unmittelbar vor die Zuschauer setzte.
Auf der Bühne selbst vollzog sich ein aus Licht und Schleiern gewirktes Spiel der Formen und Farben, das vor allem im ersten und dritten Akt immer wieder Tannhäusers Pilgerfahrt ins Innere der Seele magisch illuminierte. Venus und Elisabeth wurden auf diese Weise zu Personifizierungen von Tannhäusers emotionaler, zwischen Sensualismus und sozialer Anerkennung schwankender Labilität, was die entgegen Wagners ausdrücklichem Wunsch vorgenommene Besetzung der beiden Frauen durch dieselbe Sängerin zwar verständlich, aber nicht richtiger machte.
Leider hat Wyrsch Aeschlimanns visionäre Bilderwelt in seiner Personenführung kaum aufgenommen und auch die Möglichkeit der Trennung in Proszenium und Hauptbühne, anders als im «Ring», nicht dramaturgisch sinnvoll genutzt. So gingen die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opern nach Shakespeares «Sturm» haben derzeit Hochkonjunktur: Die Uraufführung von Thomas Adès’ Vertonung liegt noch nicht lange zurück (siehe OW 4/2004 und 1/2006), da lässt Luca Lombardi mit «Prospero» in Nürnberg die gute alte Literaturoper wieder auferstehen (Libretto: Friedrich Christian Delius). Helmut Oehring dagegen nutzt in «Unsichtbar Land» mit dem...
Das deutsche und österreichische Repertoiresystem, im Einzelnen schon durch die normative Kraft des Faktischen in Frage gestellt, hat mit den Pariser Operngepflogenheiten wenig gemein. Das einzige Opernhaus, das sich mit deutschen Bühnen vergleichen lässt, ist die Opéra National mit ihren beiden Spielstätten Opéra de Bastille (2700 Plätze) und Palais Garnier,...
Noch vor der Ouvertüre baumelt ein riesiges Weihrauchfass über die Bühne. Dann verschwindet es, um erst in der letzten Szene wieder aufzutauchen. Es liegt im zersplitterten Bühnenboden – eine Bruchlandung. Natürlich ist das symbolisch gemeint. Natürlich ist eine solche Klammer zwischen Anfang und Ende immer wirkungsvoll. Doch zu retten ist dieser Abend mit solchen...
