Très charmant
«Spieglein, Spieglein an der Wand, / wer ist die Schönste im ganzen Land?» Gute Frage. Leider selten richtig beantwortet. Wer etwa unter einer «körperdysmorphen Störung» leidet, muss höllisch aufpassen, sein Selbst nicht zu verlieren, versteht man doch darunter die Sucht, sich selbst ständig stundenlang anschauen zu müssen – allerdings nur, um das Manko zu sehen, nicht die Vorzüge.
Für Elsa Dreisig gilt zum Glück Letzeres.
Der Blick in den Spiegel, so erzählt sie es im Booklet ihrer ersten Solo-CD, habe geholfen, sich ihrer Stimme bewusst zu werden, den Unterschied zwischen Sein und Schein zu entdecken. Diese durchweg positive Erfahrung hat sie sich bewahrt – und zum Leitfaden der vorliegenden Aufnahme mit dem hintersinnigen Titel «Miroir(s)» gemacht. Jeweils zwei Komponisten spiegeln ein und dieselbe Figur, mit ihren individuellen Möglichkeiten. Auf dass der Blick auf diese Figur klarer werde.
Gleich die beiden ersten Stücke bilden die berühmte Ausnahme. Gounods Marguerite und Massenets Thaïs eint nur das Verlangen. Aber wie durchdringend enthemmt äußert sich – bei Massenet dunkel vibrierender, ekstatischer– die Lust an den narzisstischen Reizen! Schon im rezitativischen Teil ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: CD des Monats, Seite 21
von Jürgen Otten
Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, stellt sich auch bei Menschen, die ihre Freizeit bevorzugt in gut geheizten Theatern und Konzertsälen verbringen, der Winterblues ein. Die beiden neuen Alben von Plácido Domingo und Juan Diego Flórez sind ein probates Mittel dagegen. Denn der Madrilene wie auch sein in Lima geborener Sängerkollege...
Einszweidrei, im Sauseschritt ... Mehr als ein halbes Jahrhundert ist Theodor W. Adornos berühmtes Verdikt (aus der «Einleitung in die Musiksoziologie») jetzt alt, Oper hätte «nach Stil, Substanz und Haltung [...] nichts mehr mit denen zu tun, an die sie appelliert». Avancierte Komponisten in Europa hatten sich in diesem Sinne damals radikal von erzählenden Werken...
Verglichen mit «Einstein on the Beach» und «Akhnaten», stellt Philip Glass’ «Satyagraha» für Produktionsteams die größere Herausforderung dar. «Einstein» ist eine Art surrealistischer Bilderbogen, «Akhnaten» eine linear erzählte Geschichte. Der Form nach liegt «Satyagraha» irgendwo dazwischen. Einerseits handelt es sich um eine Meditation über das Leben Mahatma...
