Erkannte Wahrheit

Zürich, Dukas: Ariane et Barbe-Bleue

Opernwelt - Logo

Im Gegensatz zu «Pelléas et Mélisande», dessen Lib­retto eine von Debussy gekürzte Version von Maeterlincks Schauspiel darstellt, hat Maeterlinck «Ariane et Barbe-Bleue» als «Conte en trois actes» von vornherein als Opernlibretto konzipiert (und an Grieg als Kompo­nis­ten gedacht). Beide Stücke ähneln einander mit ihrem Parlando der Singstimmen, das aus Rhythmus und Intonation der französischen Sprache abgeleitet ist, doch es bedarf keiner DNA-Analyse, um die grundsätzliche Verschiedenheit beider Charaktere feststzustellen.


Anders als Mélisande ist Ariane eine ausgesprochen aktive Lichtgestalt, eine Aufklärerin, deren Motto geradezu von Brecht stammen könnte: «Zuerst muss man ungehorsam sein. Das ist die erste Pflicht, wenn der Befehl bedrohlich und unerklärbar ist.» Sie bereits als Vorkämpferin des Feminismus zu reklamieren, schießt trotzdem über ihr Ziel, die gefangen gehaltenen Frauen Blaubarts zu befreien, hinaus. Sie scheitert denn auch an ihrer Mission – wie schon im Untertitel «La Déliv­rance inutile» (Die vergebliche Befreiung) angekündigt. Denn, so Dukas: «Kein Mensch will befreit werden. Freiheit muss teuer erkauft werden… Besser ist es, sich selbst zu befreien.»
Einem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2005
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Horst Koegler

Vergriffen
Weitere Beiträge
Missbildung als Logo

Wo beim jüngsten Auftragswerk der Vlaamse Opera «Richard III» draufsteht, da ist tatsächlich auch «Richard III» drin. Librettist Ian Burton hat eindeutig und wiedererkennbar an Shakespeare entlang verdichtet. Bis hin zum finalen Stoßseufzer nach dem Pferd, das Richard am Ende seiner Karriere gegen sein Königreich eintauschen will. Giorgio Battistellis Musik, die...

Zwei Stars im Ensemble

Das schwäbische Label UraCant ist immer wieder für Überraschungen gut. Es produziert nur Weniges, aber das sehr gezielt. Die beiden jüngsten Veröffentlichungen sind zwei Sängerinnen gewidmet, die zwar auch internationale Erfolge hatten, deren künstlerischer Schwerpunkt aber über einige Jahrzehnte die Stuttgarter Staatsoper war: der Mezzosopranistin Hetty Plümacher...

Sketche am roten Faden

Die vielleicht wichtigste Aufführung der aktuellen Saison am Teatro Real in Madrid ist die Neuproduktion von «Il barbiere di Siviglia», die als Joint Venture mit dem Teatro São Carlos in Lissabon entstand. Nicht nur, weil das Stück zu den beliebtesten Opern des Repertoires gehört und in Spanien spielt. Sondern vor allem, weil für diesen «Barbiere» eine spektakuläre...