Unauffällig

Puccini: Tosca (Savonlinna)

Opernwelt - Logo

Die alte Burg von Savonlinna hat schon viele Opern gesehen in der bald 100-jährigen Geschichte der Stadt als Festspielort. Doch keine scheint so gut dorthin zu passen wie «Tosca». Beim Anblick des massiven mittelalterlichen Mauerwerks rückt die Engelsburg vor das geistige Auge, und Regisseur Keith Warner lässt auch gleich zu Beginn der diesjährigen Neuproduktion den Flüchtling Angelotti (Matias Tosi) von ganz oben auf die Bühne herabseilen. Das war dann aber auch schon der letzte direkte Bezug zum Genius Loci. Der Rest des Abends könnte auf jeder Bühne der Welt spielen.

Warum Warner die gesamte Oper auf einem mit Mausoleen vollgestellten Friedhof ansiedelt, bleibt sein Geheimnis. Den einen oder anderen Einfall hat er zwar noch: So entpuppt sich Scarpias großer Tisch, nachdem das Tischtuch weggezogen ist, als marmorner Sarg, in den der Bösewicht prompt hineinfällt, nachdem ihn Tosca erstochen hat. Aber insgesamt schnurrt hier eine unauffällige Inszenierung vor grandioser Kulisse ab – eine Kulisse, die es der Regie zugegeben schwer macht, eigene Akzente zu setzen, denn die Mauern des Burghofs sind visuell äußerst dominant und müssen jedes Mal aufs Neue ins Bühnenbild integriert ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2010
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Udo Badelt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Monteverdi authentisch?

Die Aufführung von Monteverdis «Orfeo», die unter Paul Hindemiths Leitung am 3. Juni 1954 in Wien stattfand und deren Mitschnitt nun erstmals auf Tonträgern zugänglich ist, hatte für den damals 24-jährigen Nikolaus Harnoncourt, der im Orchester saß, «die Wirkung eines Blitzschlags». Er war schon damals dabei, ein eigenes Ensemble für Alte Musik aufzubauen (den...

Auch Goethe hätte zugehört

An der Wiener Staatsoper gibt es eine Reihe von Produktionen, die aus eigener Kraft nicht mehr vom Spielplan herunterkommen. Doch sie wurden behalten, weil die Direktion stets argumentierte, dass zum Beispiel «Butterfly» (Premiere 1957), «Tosca» (1958), «Bohème» (1963), der «Liebestrank» (1980) «nicht notwendigerweise ständig eine neue Ästhetik» brauchten.

Der...

Lieb’, Leid – und Freud

Sigmund Freud scheint zur Zeit in Österreich die Rolle des Igels (im bekannten Wettlauf mit dem Hasen) innezuhaben: Wo immer man hinkommt, ist er schon da. Während Claus Guth seine «Tannhäuser»-Exegese an der Wiener Staatsoper in Freud’schen Gefilden ansiedelt, tritt der Psychoanalytiker in der Grazer Produktion von Bellinis «Sonnambula» unter dem Pseudonym Conte...