Nummernrevue
Es sieht ganz so aus, als ob Unsuk Chins «Alice» zu den wenigen zeitgenössischen Opern gehört, denen nach der ersten Aufführungsserie ein Weiterleben vergönnt ist: Drei Jahre nach der Uraufführung an der bayerischen Staatsoper wagt sich jetzt Genfs Grand Théâtre an das Stück, 2011 will Bielefeld folgen. Verdient hat «Alice» das allemal: In seiner spielerischen Doppelbödigkeit passt der Lewis-Carroll-Stoff ideal zu Chins Musik, die unter ihrer feingewobenen, luxurierenden Oberfläche ebenfalls eine verstörende Tiefenschicht verbirgt.
Etwas Unnennbares, das in fragenden Kantilenen Alices für Augenblicke ganz direkt spürbar wird, aber meist subkutan wirkt. Es ist bei aller Quirligkeit eben nicht bloß ulkig, was in Wonderland so vor sich geht. Weit mehr ist «Alice» ein Stück über das Gefühl der Fremdheit gegenüber anderen sowie sich selbst. Vom hektischen weißen Kaninchen über die laszive Duchess bis zur aufgeblasenen Herzkönigin haben fast alle Figuren in ihrer Maskenhaftigkeit auch einen unheimlichen Zug – bis zu den rätselhaften Veränderungen, die die pubertierende Alice am eigenen Körper spürt: Sie sind bei Chin (viel mehr noch als bei Carroll) Chiffre einer ganz grundsätzlichen ...
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Folklore in der «Verkauften Braut»: Ja oder nein? Und wenn ja, wie viel? Und dann ist da noch die Frage nach dem Umgang mit der Komödie an sich: Smetanas Oper von 1866 stellt Regisseure offenbar vor immer größere Probleme. Im Rhein-Main-Gebiet hat zuletzt Georg Köhl in Wiesbaden eine hintergründige Emanzipationsgeschichte der Marie herausgefiltert; Stein Winge...
Eine chinesische Reisbäuerin träumt davon, eines Tages den Kaiser, der das Reich mit brutaler Gewalt beherrscht, öffentlich zu beschämen, indem sie ihn mit Asche überschüttet. Sie setzt, ungeachtet der Proteste ihres Mannes, diesen Traum in die Tat um. Das einzig brennbare Material, das sich in ihrem elenden Haushalt finden lässt, ist ein Buch. Sie besteigt einen...
Puccini mochte es gar nicht, wenn die drei Einakter seines «Trittico» auseinandergerissen und mit Stücken anderer Komponisten gekoppelt wurden. Die Met trieb dieses Spiel zu besonders aparten Kombinationen und spielte jahrelang «Gianni Schicchi» als Aufwärmer vor «Salome». Doch so berechtigt der Hinweis auf die dramaturgische Einheit des «Trittico» ist: Es wächst...
