Jahrmarkt der Beliebigkeiten
Unübersichtlich fast wie die Berlinale, bunter als die Internationale Tourismusbörse: So erwirtschaftete sich «MaerzMusik», das «Festival für aktuelle Musik», in fünf Jahren einen Stammplatz in der Berliner Festivallandschaft. Die Konzepte scheinen beliebig. Doch gerade das wirkt in der verknöcherten Neuen Musik fast als Befreiungsschlag. Die Auslastung stimmt, im Aufwind der Berliner Festspiele wurden diesmal sogar Wartelisten geführt und Extratermine erwogen. Das alles mit einem Musiktheater-Schwerpunkt, wie es ihn ausgeprägter hier noch nie gab.
Ist die Oper Zukunftsland einer in tausend Uraufführungsinselchen zersprengten Neuen Musikwelt?
Was Festival-Leiter Matthias Osterwold unter dem Thema «Japan und der Westen» an Blumen zusammenband, war freilich noch kein Wunderwerk des Ikebana. Nach einer präludierenden konzertanten Aufführung von Kaija Saariahos «L’Amour de loin» unter Kent Nagano fuhr man mit Cong Sus «Welt im Quecksilberlicht» (auf ein Libretto des Chefs der Berliner Opernstiftung, Michael Schindhelm) sogleich tief in den Keller harmlosester Blumenzwiebelkunde: Bewusstlos wird ein Mann auf einer Berliner Straße gefunden. Er hat seine Identität verloren und will ...
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Herr Mortier, nach einer Spielzeit der Reprisen – eine Art Mortier-Werkschau mit Errungenschaften aus Salzburg und der RuhrTriennale – haben Sie im zweiten Jahr für Paris andere Akzente gesetzt. Welche programmatischen Überlegungen stehen hinter der Auswahl der Stücke und Regisseure?
Die erste Spielzeit war in erster Linie eine artisanale (handwerkliche) Spielzeit....
Was heute Anna Netrebko ist, war in den sechziger und siebziger Jahren Anna Moffo. Sie verfügte über Beauté und Aura eines Hollywood-Stars. Nur dass ihre optischen Reize dem Niveau einer Gesangskunst entsprachen, das Anna Netrebko bislang nicht erreicht. Anna Moffo bestach mit einer lyrischen, vollen und strahlenden Sopranstimme sowie vollendeter Koloraturtechnik....
Das Internet spricht eine deutliche Sprache. Wer sich ein paar Tage nach dem Tod von Birgit Nilsson und Anna Moffo etwa auf der Seite www.youtube.com einklickte, der fand dort nicht nur wunderbare Videoclips diverser lange verstummter Belcanto-Größen von Ettore Bastianini bis Zinka Milanov, sondern ebenso von trauernden Fans frisch hineingestellte TV-Ausschnitte...
