Die Ironie des Biedermannes

Hagen, Zemlinsky: Kleider machen Leute

Opernwelt - Logo

Früher sprach man gern vom «Fluch der Technik», wenn im Theater etwas schief ging. Hagens Intendant Rainer Friedemann variiert ihn als «der Teufel im PC». Denn erst machte sich bei der Premiere von Alexander Zemlinskys Opernkomödie «Kleider machen Leute» der «klemmende» Computer für die Kulissensteuerung unangenehm bemerkbar, bei der zweiten Vorstellung ging dann nichts mehr. Nur eine «gehämmerte» Einheitsbühne blieb übrig von den hübschen Bildern, die Hank I.

Kittel für den augenzwinkernden Blick auf das deutsche Biedermeier und das ewig aktuelle Spießbürgertum entworfen hatte. Friedemann trieb dies zunächst einmal den Schweiß auf die Stirn – und nach der von mir besuchten Vorstellung sagte er alle weiteren Begegnungen mit den gespiegelten «Leuten aus Seldwyla», so der Titel der als Vorlage dienenden Novelle Gottfried Kellers (1856/57), ab. Diese visuelle Verkürzung sei dem Publikum nicht zuzumuten. Bedauerliches Aus für eine pfiffige Inszenierung von Roman Hovenbitzer, für eine solide Ensembleleistung und eine weitgehend präzise, den Charme der Partitur gewitzt übersetzende Orches­tervorstellung mit Antony Hermus am Pult des Philharmonischen Orchesters.
Worum geht's? Schneider ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2005
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Jörg Loskill

Vergriffen
Weitere Beiträge
Diener der Musik

Wer Carlo Maria Giulini nie auf einer Probe erlebt hat, kann das per DVD nachholen. Bei Arthaus ist ein Mitschnitt seiner Arbeit an Bruckners ­Neunter mit dem Orchester des SWR erschienen. Man sieht den Maestro in seiner Spätphase. Dreiundachtzig ist er, ganz Grand­seigneur natürlich, groß, schlank, der Musik inbrünstig hingegeben. Was die Probentechnik betrifft,...

Prokofjew: L'Amour des trois Oranges

Das häufige Erscheinen in den Spielplänen und die Beliebtheit von Sergej Prokofjews «Liebe zu den drei Orangen» beweist, wie groß das Bedürfnis nach Opernheiterkeit ist. Diesem Verlangen kommt das Stück in vier Akten und zehn Bildern nebst Prolog perfekt nach. Buffawitz, Ironie, turbulente Vorgänge, Tempo, Spontaneität beherrschen die Bühne. Nur keine Psychologie,...

Bellini: Norma

Bellinis «Norma» steht und fällt mit den beiden Frauenstimmen. Ob die beiden jungen russischen Sängerinnen Mlada Khudoley (Norma) und Ekaterina Gubanova (Adalgisa) sich in Partien, die geradezu als Inbegriff des Bellini’schen Belcanto gelten, die hochgesteckten Erwartungen erfüllen konnten? Und wie sie es taten! Insbesondere Khudoley überrascht mit ihrem breiten...