Die Kraft des Gitters
Nach Philadelphia kommt man in der Regel, um sich die historischen Stätten anzusehen. Abschriften der Unabhängigkeitserklärung, die Freiheitsglocke oder die Wirkungsstätten Benjamin Franklins locken jedes Jahr unzählige Besucher an. Weniger bekannt ist, dass es in Philadelphia auch eine veritable Operncompagnie gibt, die – wie in den USA üblich – einen Stagione-Spielplan mit rund sechs Produktionen im Jahr bietet. Gespielt wurden und werden vorwiegend Schmacht-Klassiker wie «Madama Butterfly» oder «Traviata», seit ein paar Jahren bemüht sich Intendant Robert B.
Driver (einst Regieassistent bei Otto Schenk und Günther Rennert) jedoch um die vorsichtige Umerziehung des konservativen Publikums hin zu neuen Stücken und Inszenierungsweisen. Die Saison 2008/09 eröffnete Beethovens «Fidelio» in der Regie des Intendanten, der sich den Objekt- und Design-Künstler Jun Kaneko als Bühnenbildner mit ins Boot holte.
Bereits nach den ersten Takten geht ein Raunen durchs Auditorium, denn zu sehen sind keine History-Kostüme, sondern abstrakte Formen – mal sperrig, mal fließend –, die sich immer wieder zu einem Gitternetz fügen, welches dann rasch durch andere «Objekte» durchbrochen wird. Ein ...
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In seiner mit Spannung erwarteten Stuttgarter Inszenierung hat Karsten Wiegand Verdis «Aida», man kann es nicht anders sagen, in den Sand gesetzt. Er ließ sich von Bärbl Hohmann einen goldglänzenden Kasten auf die Bühne wuchten: Antichambre für die wartende Priester- und Hofkamarilla einer totalitären Diktatur, auswegloses Gefängnis für drei junge Menschen – Aida,...
Tommaso Traetta zieht. Schon seit geraumer Zeit. Vor zwei Jahren grub das Mannheimer Nationaltheater seine «Sofonisba» aus (siehe OW 4/2006). Vor neun Jahren stemmte das Festival in Martina Franca die zwischen Rameau und Mozart stehende Reform-Seria «Ippolito ed Aricia» und konservierte das Projekt auf CD (siehe OW 12/2000). 1997 ging Christophe Rousset mit den...
Vor sechs Jahren schaffte es die Königliche Oper von Kopenhagen, an den internationalen BarockopernBoom anzuschließen. Dafür sorgten vor allem Lars Ulrik Mortensen mit seinem Orchester Concerto Copenhagen und Countertenor Andreas Scholl, der bei dieser Gelegenheit als Giulio Cesare seine zweite Bühnenproduktion bestritt (siehe OW 7/2002). Nun will das Haus an den...
