Totenmesse und Tragödie
Kirchenbänke vor, Kirchenbänke auf der Bühne. Dazwischen der Graben mit dem großen Orchester. Die Gemeinde zunächst mit dem Rücken zum Parkett. Ganz hinten der Kinderchor. Am rechten Rand errichtete die Bühnenbildnerin Susanne Gschwender ein haushohes Metallgerüst: viel Gestänge, dazu Stiegen und Podeste und das Kammerorchester auf der ersten Etage. Den Szenenabschluss bildet eine gigantische gotische Glasfensterwand. Sie wird irgendwann herunterrauschen – und das Nein zu einer christlichen Weltsicht signalisieren. Wir wohnen der Erinnerung an einen Krieg bei.
Die Basler Oper visualisiert das «War Requiem» des im November hundertjährigen Benjamin Britten.
Inszeniert hat Calixto Bieito, in der nächsten Spielzeit spartenübergreifender Artist in residence des Hauses. Für seine Verhältnisse übt er sich hier in großer Zurückhaltung. Nur einmal, wenn eine verzweifelte, verwirrte junge Mutter irren Blicks ihr Baby zerschmettert, fließt das sonst bei Bieito allgegenwärtige Blut. Vielleicht sollte man auch nicht von einer Inszenierung sprechen, sondern von einer Bebilderung, genauer: einer tragödienhaften Illustration der zur Wiedereröffnung der von den Deutschen zerstörten Kathedrale von ...
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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Heinz W. Koch
Der Titel lockt den Hörer in die Märchenwelt – und in die Irre: Eine «romantische Oper» nennt Franz Ignaz Danzi seinen 1813 in Karlsruhe uraufgeführten Zweiakter, doch ein Vorläuferwerk des «Freischütz» ist «Der Berggeist» nicht. Dafür ist der 1763 geborene Danzi zu sehr Mozartianer. Auch wenn er Geister und Gnomen, Nixen und Meerungeheuer auftreten lässt, äußern...
Das Wagner-Jahr scheint große und kleinere Plattenfirmen in einen wahren Rausch des Recycelns früherer Publikationen versetzt zu haben, und der Sammler muss aufpassen, dass er nicht in neuem Design eine Aufnahme erwirbt, die er längst besitzt. Zwei Aufführungen, vor einem halben Jahrhundert in der Wiener Staatsoper mitgeschnitten, können allerdings als Novitäten...
Viele alte Bekannte treten auf an diesem Abend. Armida, die männerkritische Zauberin, der fesche Kreuzritter Rinaldo, Clorinda und Tancredi, die sich bekämpfen und lieben. Auch den konfusen Magier Ubaldo und Argante, den Herrscher über Jerusalem, kennen wir aus anderen Opern. Nur: Dass sie alle zusammen vorkommen samt weiteren Christen und Sarazenen, Rittern und...
