Die letzte Nacht
Es entfaltet Sogwirkung, das Stück über John F. Kennedy, das David T. Little und sein Librettist Royce Vavrek für die Fort Worth Opera geschrieben haben. Umfangreicher und zugleich intimer als der Rockmusik-getränkte Dreiakter «Dog Days» (2012) gibt sich die neue Oper: In «JFK» werfen Little und Vavrek konventionelle Erzählstrukturen über Bord, um die Unerbittlichkeit des Schicksals sowie das Innenleben der Figuren auszuloten.
Schauplatz ist das Hotel in Fort Worth, in dem der US-Präsident und seine Gattin die Nacht vor dem Attentat von Dallas verbringen.
John halluziniert unter dem Einfluss des Morphiums, das er gegen seine Rückenschmerzen einnimmt, und durchlebt seine tiefsten Ängste und Unsicherheiten. Jackie kämpft gegen eigene Dämonen; grübelt über ihre Ehe und betrauert den Verlust zweier ihrer Kinder. Am nächsten Morgen machen John und Jackie sich zur Abfahrt bereit – doch die eigentliche Tragödie spart die Oper aus. Umso eindringlicher vermittelt sich die landesweite Schockstarre nach dem Attentat. Ein zusätzliches Figurenduo verkörpert die Schicksalsmächte, dann ein Zimmermädchen und einen Geheimagenten, schließlich Clara und Henry, ein Paar aus dem Umfeld des ebenfalls ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Heidi Waleson
Die Berliner und Kölner Aufführungen seiner Oper «Jeanne d’Arc – Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna» (siehe OW 6/2008 und 4/2016) haben den von den Nazis als Halbjuden verfemten Komponisten Walter Braunfels einmal mehr ins Rampenlicht gerückt. Auch wenn in den letzten Jahren einige seiner Hauptwerke wieder aufgeführt wurden oder doch, wie die «Große Messe»...
Neben der Leipziger Oper steht das Kroch-Hochhaus (1928), auf dem der antik-barocke Spruch prangt: «Omnia vincit labor», Arbeit besiegt alles: Gegenthese zum bekannteren «omnia vincit amor», die Liebe besiegt alles. Dass in der protestantischen Bürgerstadt puritanisches Arbeitsethos hochgehalten wird, verwundert kaum. Für die Barockoper freilich, zentral für die...
Ist Braunschweig das neue Bielefeld? Das Staatstheater zeigt sich seit einiger Zeit ähnlich neugierig wie das Bielefelder Haus unter John Dew, der in den 80er- und frühen 90er-Jahren die einstige Seidenweber-Stadt mit Opernentdeckungen in die Feuilletons auch überregionaler Blätter brachte. In Niedersachsen liegt der Schwerpunkt dabei auf angelsächsischen Themen –...
