Haltlos, von Sinnen
Seiner Natur und Geschichte nach war das deutsche Lied lange Zeit schüchtern, sensibel und kontaktarm, die Kunstform einer in sich verkapselten, nur bedingt gesellschaftsfähigen Innerlichkeit. Doch das änderte sich spätestens mit Richard Strauss, der sich weniger an Schubert, Schumann und Brahms orientierte, sondern vielmehr an den Konzertliedern von Franz Liszt und damit die Gattung vorsätzlich in die große Öffentlichkeit holte.
Man erliegt allerdings einer Täuschung, wenn man hier Glanz und Wonne schon für die Sache selbst nimmt und in seinen Liedern nur die Schlager des Wilhelminismus, das Klangdekor einer deutschen Belle Époque hört. Das sind sie auch, zugleich aber viel mehr. Der Bariton Thomas Hampson, begleitet von Wolfram Rieger, beweist es mit seinem Album «Notturno», der vielleicht nachdenklichsten, düstersten Strauss-Lieder-Platte, die es momentan gibt.
Schon das erste Lied, «Zueignung», klingt anders, als man es gewohnt ist. Weggewischt wird der Überschwang, mit dem man es sonst als Hymne der Dankbarkeit, bereits mit dem Blumenstrauß in der Hand, als Zugabe gesungen hört. Die Anweisungen moderato und piano werden hier sehr ernst genommen. Zwei Worte der ersten Strophe ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 33
von Jan Brachmann
Erinnern Sie sich noch? An die Zeiten, als das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland nur aus dem Ersten, dem Zweiten und ein paar Regionalprogrammen bestand? Und Theater, Oper, Konzert noch einen Platz im (Spät-)Programm hatten? Wer das Neueste vom Tage nicht versäumen wollte, musste sich damals freilich an feste Sendezeiten halten. Als die Künste Anfang...
Sie dirigieren 2016, nach «Lohengrin», Ihre zweite Festspiel-Premiere in Bayreuth: «Parsifal». Mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks haben Sie gerade den dritten Akt konzertant aufgeführt. Ein Testlauf?
In solchen Kategorien denke ich eigentlich nicht. Wir haben nach einer Möglichkeit für konzertante Oper gesucht und sind irgendwann auf «Parsifal»...
Auf seiner Website nennt er sich «Saddo», vom englischen sad. Dabei klingt seine
Lebensgeschichte gar nicht so traurig. Der britische Tenor Christopher Gillett steht seit 35 Jahren auf der Bühne, überall. An der Scala, in Aix, in Los Angeles. In London hat er einst unter Carlos Kleiber gesungen, Rodrigo in Verdis «Otello». Kürzlich half er an der Seite von Diana...
