In fremden Gewässern
Was zieht Filmemacher bloß an die Oper? Die Überzeugung, dass, wenn der Film die Oper des 20. Jahrhunderts ist, sie ja eigentlich vom Fach sind? Oder der Lockruf PR-bewusster Intendanten, die sich von prominenten Cineasten vor allem ein Plus in der Kasse versprechen? Mancher Spieleiter aus der Filmwelt, der sich ins Musiktheater verirrt, bekennt freimütig, von dieser Materie eigentlich keine Ahnung zu haben. Man denke nur an Woody Allens Verlautbarungen zu seiner Inszenierung von Puccinis «Gianni Schicchi» in Los Angeles (2008).
Nun hat auch einer der wenigen brasilianischen Filmregisseure, die derzeit international wahrgenommen werden, in Operngewässern gefischt: Fernando Meirelles. «City of God» (2002), «Der ewige Gärtner» (2005) und «Die Stadt der Blinden» (2008) wurden u. a. bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes und auf der Berlinale gezeigt. Für Oper hat er sich lange nicht interessiert. Aber schließlich ließ er sich doch auf sie ein, genauer: auf Bizets «Les Pêcheurs de perles». Und zwar am Theatro da Paz in Belém, der Hauptstadt des Bundesstaates Pará. Der neoklassizistische Bau ist Schmuckstück und Stolz der Amazonas-Stadt. Und offenbar ein Sprungbrett für ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Rodrigo Cherut
Herr Akzeybek, war Singen für Sie schon immer ein Herzenswunsch?
Das hat sich so ergeben. Ich bin als Jugendlicher in Izmir öfter bei Familienfeiern aufgetreten. Irgendwann meinten Freunde, ich solle meine Stimme ausbilden lassen. So habe ich mich um einen Platz am städtischen Konservatorium beworben – und wurde angenommen.
Und da stand fest: Ich will Opernsänger...
Zwei Erhabenheitsbilder stehen für das angebliche Wesen der Musik: der mythische Sänger Orpheus und die Heilige Cäcilie, entrückt an der Orgel. Rein, veredelnd soll die wahre Tonkunst sein, alles Irdische, Materielle, Animalische transzendieren. Demgegenüber reagierte Schumann auf das Unisono-Finale der b-Moll-Sonate des von ihm bewunderten Chopin ratlos lapidar:...
Selbst in einer so musikliberalen Stadt wie Frankfurt am Main geht eine Lachenmann-Premiere nicht ganz ohne Buhs ab. Natürlich gab es im Vorfeld der Aufführung auch jenen konservativen Opernhabitué, der wütend um sich herum zu agitieren versuchte und wieder einmal die «unverantwortliche Verschleuderung von Steuergeldern» bemühte (womit er beim Schreiber dieser...
