Sächsische Kontraste
Für die Hölle gibt’s Szenenapplaus. Ein rot glühendes Fabrikglashaus mit gehörntem Direktor und diabolischer Belegschaft, die Neuzugänge im Zahnräderwerk einer Dampfmaschine entsorgt. Ein Wimmelbild, das die ganze Semperopernbühne füllt und offenbar ganz nach dem Geschmack des feinen Dresdner Premierenpublikums ist. Überhaupt kommt der aufwändig gepflegte «Schwanda»-Abend mit seinen Reverenzen an selige Ufa- und Hollywood-Revue-Zeiten gut an.
Der Saal ist voll bis zur Dachkante, obwohl kaum jemand das Volksmärchen von dem böhmischen Landburschen kennt, der mit dem Gauner Babinsky durchbrennt und mit seinem Dudelsack nicht nur die Liebste (Dorotka), sondern auch die eiskalte Königin und die gelangweilte Unterwelt verzaubert. Ganz zu schweigen von Jaromir Weinberger, dem tschechischen Komponisten des «Svanda dudák». Dabei wurde das Stück nach der Prager Uraufführung 1927 überall in Europa gespielt, Erich Kleiber dirigierte die Berliner Premiere (1929); in Wien (1930) und Covent Garden (1934) stand Clemens Krauss am Pult. Sogar die Met brachte (1931) den pikaresken Spaß heraus, in Max Brods deutschsprachiger Fassung (!), mit Friedrich Schorr in der Titelpartie.
Doch dann war schnell ...
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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Albrecht Thiemann
Zeitgenössische Opern sollten nach ihrer Uraufführung eine zweite Chance erhalten. Von dieser kulturpolitisch sinnvollen Forderung profitieren leider selten die sperrigen Werke (es sei denn, sie genießen den Kultstatus von Helmut Lachenmanns «Mädchen mit den Schwefelhölzern»), sondern meist Opern, die an das Repertoire, die Tradition, das klassische Gesangsideal...
In seiner vorletzten, 1897 in Prag uraufgeführten Oper «Sárka» greift Zdenek Fibich (1850-1900) zu einem Stoff aus der tschechischen Legende, den schon Smetana in seinem sinfonischen Zyklus «Mein Vaterland» gestaltet hatte. Nach dem Tod der sagenhaften Reichsgründerin Libussa übernehmen die Männer unter Führung von Premyslaus die Macht. Als sich die um Vlasta und...
Herr Nelsons, warum dirigieren Sie am liebsten Repertoirevorstellungen?
Ich bin auch für neue Produktionen zu haben, aber sie sind oft zu zeitraubend. Außerdem kommt die Musik dabei vielfach nur an zweiter Stelle. Das sage ich, obwohl ich in Bayreuth sehr gute Erfahrungen mit Hans Neuenfels gemacht habe. Ein cleverer Mann, der Provokationen nicht aus Unkenntnis,...
