Vom Geschmeide befreit
Konzertant – eine hübsche Untertreibung war das damals. Als im Februar dieses Jahres Kleopatra-Klone vor dem römischen Parco della Musica Programmhefte an die Besucher verteilten und drinnen die Banda der Staatspolizei in schmucken Uniformen dicht unter der Decke postiert war. Mit ungewohnt warmen Trompetenklängen schickte sie den Hit aus Giuseppe Verdis «Aida» in den 2700-Plätze-Saal – kein schmetterndes Spektakel, sondern ein Ereignis musikalischer Eleganz.
Das Konzert markierte das Ende einer Arbeits- und Aufnahmewoche: Solche aufwendigen Gesamteinspielungen leistet sich kaum einer mehr. Erst recht, wenn Superstars auf der Gagenliste stehen. Als Referenzaufnahme wurde die Box angekündigt, als «Aida» fürs neue Jahrtausend. Nun liegt die CD vor und rangiert tatsächlich sehr, sehr weit oben in der Diskografie des Werks. Das liegt nicht unbedingt an den Rollendebütanten Anja Harteros und Jonas Kaufmann, sondern am Dirigenten.
Fast alles, was Antonio Pappano derzeit anpackt, ob am Royal Opera House oder eben wie hier mit seiner Accademia Nazionale di Santa Cecilia, wird zu Gold. «Spätwerk», diese Einordnung verleitet ihn nicht zum Schwerlastverkehr, er blickt aus Verdis mittlerer ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: CD des Monats, Seite 31
von Markus Thiel
Das Hauptstück zum Spielzeitauftakt der Hamburgischen Staatsoper und zum Antritt von GMD Kent Nagano sollten die «Trojaner» werden. Doch Intendant Georges Delnon hatte den Start im großen Haus mit zwei weiteren Premieren und einer Lichtskulptur flankiert, die den Berlioz-Abend in den Schatten stellten. Ein wahrer Knüller war die jüngste Arbeit der Stuttgarter...
Als klassischer Dreispartenbetrieb in einer Stadt von knapp 75 000 Einwohnern zählt das Theater St. Gallen zu den kleineren Einrichtungen auf dem großen Marktplatz der Oper. Immer wieder schwingt sich das Haus jedoch zu Leistungen auf, die überraschen, ja staunen lassen. So jetzt mit «Eugen Onegin» von Peter Tschaikowsky. Gewiss, unter der wenig inspirierten...
Was heißt musikalische Moderne? Ich will dieser Frage, angeregt durch das aktuelle Programm des Musikfestes und besonders durch den Schwerpunkt Arnold Schönberg, ein paar aphoristische Gedanken widmen. Eine kleine Etüde gewissermaßen, die den Begriff umspielt. Wie fast jede Etüde beginnt sie in einer festen Tonart, um sich dann für heilsame Verwirrung zu öffnen.
Eig...
