Für alle Schichten

Eigentlich sollte in diesem Heft eine Kritik von Kaija Saariahos neuer Oper ­«Adriana Mater» stehen. Die Uraufführung war an der Pariser Oper geplant: Gerard Mortiers bisher wichtigstes Projekt im größten Opernbetrieb der Welt. Die Premiere fiel aus. Streiks legten den Betrieb lahm. Das Gespräch, um das wir Mortier baten, drucken wir trotzdem. Und in den nächsten Heften ist dann mehr von Gegenwart und Geschichte der Opernstadt Paris zu lesen.

Opernwelt - Logo

Herr Mortier, nach einer Spielzeit der Reprisen – eine Art Mortier-Werkschau mit Errungenschaften aus Salzburg und der RuhrTriennale – haben Sie im zweiten Jahr für Paris andere Akzente gesetzt. Welche programmatischen Überlegungen stehen hinter der Auswahl der Stücke und Regisseure?
Die erste Spielzeit war in erster Linie eine artisanale (handwerkliche) Spielzeit. Ich wurde ja vor allem in Deutschland stark kritisiert, weil ich viele meiner Produktionen wiederholt habe.

Dazu sind zwei Dinge zu sagen: Ich wollte in Paris Aufführungen realisieren, von denen ich glaube, dass sie wirklich gelungen sind. Zum anderen besteht die Pariser Oper ja aus zwei Häusern, und man muss erst sehen, wozu diese Häuser im Stande sind, was das Orchester kann, was die Technik, was der Chor. Ich habe also Produktionen ausgewählt, von denen ich genau wusste, welcher Aufwand nö­tig ist. Im zweiten Jahr wollte ich vor ­allem einen Akzent auf das 20. Jahrhundert setzen mit Janáceks «Aus einem Totenhaus», «Elektra», die zwar Anfang des 20. Jahrhunderts entstand, für die Pariser aber noch immer ein schwieriges Stück ist, dann «Cardillac» von Hindemith, der ja in Paris spielt, «Die Nase» von Schostakowitsch, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Robert Jungwirth

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen

Eigentlich ist Wu Hsing-Kuo die Ruhe in Person. Ein scheuer Mann, in sich gekehrt, ernst. Nur selten huscht ein Lächeln über das scharf geschnittene Gesicht. Wu Hsing-Kuo scheint viel nachzudenken, über die verrückte Welt da draußen, über das Leben, über die Kunst, über sich selbst. Ein Stoiker, von dem niemand erwarten würde, dass er je aus der Haut fahren könnte....

Delirium und Himmelfahrt

Das hätte uns auch behagt: rechts eine Flasche vortrefflichen Tokajerweins, vor uns eine Dose voll Tabak aus Sevilla. Und eine Klingel, um ein junges, schönes Mäd­chen von sechzehn Jahren zur Verrichtung kleinerer Dienste ins Zimmer zu rufen. So beschreibt Lorenzo Da Ponte das Arrangement auf seinem Schreibtisch zu jener Zeit, da er zwei Monate lang und zwölf...

Himmel und Hölle

Man könnte sie als eine Ikone des «Musiktheaters» bezeichnen: Als 1961 der Bremer Schünemann-Verlag den be­rühmt gewordenen Band dieses Titels herausgab, entschieden sich dessen Verfasser, Siegfried Melchinger und Walter Felsenstein, für ein Titelbild mit dem Foto von Melitta Muszely als Violetta. Und unterstrichen damit die Bedeutung, die von dieser Sängerin für...