Zu voller Größe
Zum Trinkwasserreservoir in Edgbaston kommt man, mit etwas Ausdauer, vom Bahnhof auch zu Fuß. Durch das Labyrinth von Baustellen, die in Birminghams Innenstadt für bessere Zeiten werben, geht es zur neuen Bibliothek, die oft nur von außen zu bewundern ist, weil vernünftige Öffnungszeiten teuer sind. Weiter durch die Symphony Hall, die, um Geld in die Kassen zu spülen, so oft vermietet werden muss, dass die hauseigenen Ensembles nicht selten in Bedrängnis geraten. Entlang der Kanalufer locken belebte Bars und Wasserblick-Balkone.
Misstrauische Blicke heften sich in Sozialwohnungsvierteln an die Schulter. Und am See wartet der alte Nachtclub, den Graham Vicks Birmingham Opera Company zum Spielort ihrer diesjährigen Produktion bestimmt hat: Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk».
Postkartenpanoramen bietet der Marsch nicht. Aber als Einstimmung auf die «Lady» eignet er sich ideal. Mit den eifrig Beflissenen, den Vielgeübten der Hochkultur – weiß meist, gutbürgerlich –, gibt sich die BOC nicht zufrieden. Die ganze Stadt soll sich auf der Bühne wiedererkennen. Tatsächlich bietet der Saal dank eines gezielten Castings einen Anblick, der radikal normal ist. Der 100-köpfige ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Wiebke Roloff Halsey
Frau Takala, es ist frühmorgens um sieben, die Met ruft an und bittet Sie, am selben Abend die Königin der Nacht zu singen. Sagen Sie zu?
Ich könnte das machen, aber vielleicht nicht in New York; der Flug ist zu lang. In München hingegen wäre es denkbar. Grundsätzlich hängt meine Entscheidung davon ab, welche Partien ich parallel singe. Ist es beispielsweise etwas...
Jubilare
Giorgio Zancanaro studierte in seiner Geburtsstadt Verona bei Maria Palanda und wurde 1969 beim Wettbewerb «Voci Verdiane» in Busseto entdeckt. Sein Debüt gab der Bariton ein Jahr später als Riccardo in Bellinis «I puritani» in Mantua. Daraufhin rissen sich die großen Opernhäuser Italiens um ihn. Zancanaro gelang es, u. a. als Giorgio Germont in «La...
Frauentag, Feiertag (wenngleich nur in der Hauptstadt), Freudentag. Ob es nun Zufall war oder hellsichtige Planung – für genau diesen Tag die Premiere von Bedřich Smetanas komischer Oper «Die verkaufte Braut» anzusetzen, besaß einen gewissen Charme, zumal mit Mariame Clément eine feministisch-aufgeklärte Regisseurin ihr Debüt an der Semperoper gab. Und wieder...
