Kunst des Zufalls
Regisseur Dietrich Hilsdorf gilt als Meister der atmosphärisch dichten Chortableaus. Keine Frage, die Bewegung größerer Personalmassen beherrscht er virtuos. Aber er läuft auch dann zu Hochform auf, wenn er auf Millimeterpapier Kammerspiele austüfteln kann.
Beide Talente hat er nun in einem großen Wurf an der Kölner Oper am Dom vereint: 32 Jahre nach seinem Debüt als Opernregisseur am Gelsenkirchener Musiktheater im Revier mit Tschaikowskys «Eugen Onegin» hat er sich der «lyrischen Szenen» erneut angenommen und ein subtiles Spiel delikater Konstellationen komponiert, das in dieser Dichte und psychologischen Tiefe nur selten auf einer Opernbühne zu erleben ist. Ganz ohne ambitioniertes Meta-Konzept und nur sanft aktualisiert – Renate Schmitzers gewohnt geschmackssichere Kostüme changieren zwischen frühem und mittlerem 20. Jahrhundert – setzt Hilsdorf auf feinste Zwischentöne und minimale Gesten. Keine einzige Rampenpose unterläuft dem famosen, wunderbar aufeinander eingespielten Ensemble, jeder Blick sitzt, jede Alltagsbewegung wirkt wie eine spontane Reaktion auf die Situation.
Dieter Richter hat für die wechselnden Orte der traurigen Geschichte der verpassten Liebe zwischen der ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Regine Müller
Kunst und Macht – das ist eine unendliche Geschichte. Eine Geschichte mit vielen Facetten. Eine, die uns bis heute in Atem hält. Und manchmal den Atem verschlägt. Dass sich Künstler immer wieder mit der Macht arrangieren oder arrangieren müssen, ist nicht neu. Mozart komponierte vor allem, zähneknirschend, im Auftrag der höfischen Gesellschaft seiner Zeit....
Jubilare
Es gibt nicht viele Kulturwissenschaftler, die sich ernsthaft für das Musiktheater interessieren und etwas dazu zu sagen haben. Jens Malte Fischer gehört zu ihnen. Zunächst von 1982 bis 1989 Professor für Literaturwissenschaft in Siegen, lehrte er ab 1989 Theaterwissenschaft an der Universität München. An seinen Studien zu Wagner (insbesondere dessen...
Der Mann ist nicht totzukriegen. Eigentlich sollte nur seine Stimme aus dem Sarg ins Diesseits hinübertönen, aber in Yona Kims «Parsifal»-Inszenierung am Staatstheater Braunschweig ist Titurel quicklebendig. Festen Schrittes folgt er seinem wundgeplagten Sohn. Er verpasst Amfortas sogar eine Ohrfeige, als der sich ziert, das Ritual der Gralsenthüllung zu...
