Triumph der Sinnlichkeit
Einzig mit den 66 Takten aus seiner Oper «Una cosa rara», die sein Kollege Mozart ins Finale des «Don Giovanni» eingearbeitet hat, konnte sich der spanische Komponist Vicente Martín y Soler (1754-1806) dauerhaft in der Musikgeschichte festschreiben, während sein übriges Werk, das mehr als 60 Opern umfasst, lange Zeit in Vergessenheit geraten war. Dabei hatte Mozarts Hommage durchaus einen tieferen Grund.
Als der Spanier 1785 in Wien eintraf, nahm er das dortige Publikum im Sturm, und die drei Opern, die er in Zusammenarbeit mit Lorenzo da Ponte schrieb, hatten mehr Erfolg als diejenigen Mozarts. In den Memoiren des Librettisten nimmt er weit größeren Raum ein als dieser. Jahre später kam es in London zu einer weiteren Zusammenarbeit.
Als da Ponte am Libretto von «L’arbore di Diana» arbeitete, war er zugleich mit Mozarts «Don Giovanni» und Salieris «Axur, rè d’Ormus» beschäftigt. Seinem ungläubigen Brotherren Joseph II. erklärte er seine Arbeitsmethode so: «Nachts schreibe ich für Mozart und denke dabei an Dantes ‹Inferno›. Morgens schreibe ich für Martini, und das ist so gut, als studierte ich Petrarca. Abends für Salieri, und das ist mein Tasso.» Seine Arbeitshilfen waren «eine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nacht über Lesbos. Die antiken Götter(statuen) sind gestürzt. Polyodoros, der rechtmäßige König, soll von seiner Tochter Zelmira gemeuchelt worden sein. Unter den aufgepeitschten Sechzehnteln der kurzen Einleitung von Rossinis 1822 für Neapel komponierter Seria «Zelmira» bricht Azor, der Invasor und angebliche Spießgeselle der Titelheldin, blutend zusammen. Da...
Die erste vollständig von Peter Gelb geplante Met-Saison begann mit einer herben Enttäuschung. Gelb hatte Luc Bondy verpflichtet, um der an diesem Haus bescheidenen Liste interessanter Regisseure einen Namen hinzuzufügen und eine neue «Tosca» für Karita Mattila auf die Bühne zu bringen. Sie sang die Titelpartie erstmals an diesem Ort. Im Graben stand James Levine,...
Warum, um Gottes willen, die «Taubenpost» als harmlos-versöhnlicher Schluss nach der «Stadt», diesem traumatischen Bild verlorener Liebe, und dem grausigen «Doppelgänger»? War denn jenem Verleger, der aus Franz Schuberts Liedern nach Gedichten Rellstabs und Heines den Zyklus «Schwanengesang» zusammenstellte und diesem am Schluss eben die «Taubenpost» eines gewissen...
