Ideologisches Minenfeld
Er habe sich von volkstümlichen, zur Laute gesungenen Liedern in einer «historischen» Bauernstube zu seiner Oper «Der Schatzgräber» inspirieren lassen, teilte Franz Schreker mit. So seltsam unecht diese Szenerie, so absonderlich mutet die Häufung der Märchenmotive im Libretto an: Da ist eine Königin, die nach der Entwendung ihres Schmucks schwermütig wird. Da ist die schöne Wirtstochter Els, eine Schreker-typische Femme fatale, die nicht nur den Schmuck in ihren Besitz gebracht hat, sondern auch ihre Freier durch den ihr hündisch ergebenen Albi entsorgen lässt.
Da ist vor allem der fahrende Sänger Elis, dessen Laute zugleich als eine Art Wünschelrute dient. Am Ende bringt er den Schmuck zurück, heilt die Königin, rettet Els und das Reich und bringt überhaupt alles in Ordnung.
Das alles wird in eine ziellos mäandernde Dramaturgie verpackt. Die ideologischen Leitmotive treten dennoch klar hervor: Erlösung kommt durch den Künstler (Elis: «Der Mann muss schaffen und kämpfend streben»), der Beitrag des Weibes kann nur in Selbstaufopferung bestehen (Elis: «Du bringst mir Opfer. Wie soll ich’s tragen, wie danken, dir lohnen?»). Als die Verbrechen der Els auffliegen, zieht sie sich von Elis ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2012
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Ingo Dorfmüller
Ein riesiger schwarzer Fächer spreizt sich oberhalb des Strandbads, winkt mit Spanien-Romantik – das Einheitsbühnenbild für den zweiten Jahrgang der Berliner Seefestspiele, für die sich Filmemacher Volker Schlöndorff an «Carmen» versuchte. Schlöndorff enttäuschte 2005 an der Deutschen Oper Berlin mit Janáceks «Totenhaus», nun erweist sich seine...
Die Bibliothekarin der Bayerischen Staatsbibliothek in München hatte es ja gut gemeint. «Lustige Weiber von Windsor»? Kein Problem. Wenig später lag die Partitur vor Georg Hermansdorfer – nur leider war es diejenige von Otto Nicolai. Doch der Oberbayer hatte es auf etwas anderes abgesehen, auf die Vertonung von Carl Ditters von Dittersdorf. Die einzig erhaltene...
Ein Wagnis ist das. Zwei wenig gespielte Stücke zum Saisonauftakt an der Oper Frankfurt, zwei Premieren innerhalb eines Monats. Miteinander zu tun haben Samuel Barbers «Vanessa» und Engelbert Humperdincks «Königskinder» nicht allzu viel. Immerhin wurden beide an der Metropolitan Opera in New York uraufgeführt (1910 bzw. 1958/1965). Auch wäre es kaum übertrieben zu...
