Dichterlieben
Ausbrüche waren selten bei diesem Dichter der überlegten Überlegenheit und des ausgiebig gemessenen Wortes. Umso mehr dürfte der Freund Carl Friedrich Zelter überrascht gewesen sein, als er jenen Brief öffnete, welchen Johann Wolfgang von Goethe ihm am 24. August 1823 zusandte, nachdem er in einem Konzert die Stimme der Berliner Sopranistin Anna Milder-Hauptmann und das Klavierspiel der polnischen Pianistin Maria Szymanowska vernommen hatte.
In ungewohnter Direktheit öffnet Goethe hier den Raum des Privaten, und wir gewinnen Einblicke in des Großschriftstellers Herz: «Nun aber doch das eigentlich Wunderbarste! Die ungeheure Gewalt der Musik auf mich in diesen Tagen», heißt es da, und weiter, recht anspielungsreich: «Die Stimme der Milder, das Klangreiche der Szymanowska, ja sogar, die öffentlichen Exhibitionen des hiesigen Jägerkorps falten mich auseinander, wie man eine geballte Faust freundlich flach lässt.» Der Grund für die Aufwallung liegt nicht in der Musik selbst. Nein, den Geheimrat Goethe hat es gepackt. Er ist verliebt, und die junge Ulrike von Levetzow das Subjekt seiner (ungestillten) Begierde. Die Allmacht der Musik, wie sie Goethe beschwört, sie wird nur wirksam ...
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Russland sucht sich als Nation. Da müssen Ideen her. Einer schlug vor, mit sauberen Toiletten wäre schon viel gewonnen. Andere meinen, man brauche eine Oper mit historischem Sujet. Zum Beispiel der Popbarde Lew Leschenko. Der gewann den (einst innovativen) Regisseur Dmitri Bertman für das Vorhaben, Letzterer bat den Popkomponisten David Tuchmanow (Jahrgang 1940)...
