Bonn Chance!
Ausgerechnet mit einer Nachtmusik ist in Bonn die Reihe «bonn chance!» zu Grabe getragen worden. Ob das ein Zufall war? «Nocturno» von Georg Friedrich Haas setzte den Schlusspunkt unter zwanzig Jahre eines ambitionierten Programms, in dessen Rahmen zahllose Uraufführungen gestemmt wurden – darunter Werke von Adriana Hölszky, Beat Furrer, Klaus Lang, Charlotte Seither und Helmut Oehring.
Was «bonn chance!» von Feigenblatt-Veranstaltungen anderer Häuser unterschied, war die radikal offene Ästhetik, die durch die Kooperation mit der Bonner Bundeskunsthalle ermöglicht und von meist experimentierfreudigen Regisseuren auch umgesetzt wurde. Was die Uraufführung von «Nocturno» in der kongenialen Regie von Florian Lutz nochmals unterstrich: «bonn chance!» bot zeitgenössischem Musiktheater ein echtes Forum. Doch nun verlässt Intendant Klaus Weise Bonn. Sein Nachfolger Bernhard Helmich hat sich zu «bonn chance!» noch nicht geäußert, es gilt aber als ausgemacht, dass er angesichts der gewaltigen Sparauflagen die Reihe nicht fortführen kann.
Der Grazer Komponist Georg Friedrich Haas komponierte für den dreiteiligen Abend nur ein Stück neu, nämlich das titelgebende «Nocturno» für Frauenstimmen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Magazin, Seite 83
von Regine Müller
Sehnsucht nach den Sechzigerjahren. Als das Schlammtheater noch eine Botschaft war, als das Publikum mitmachen durfte und sich hinter jedem Experiment ein Tabu verbarg..: Herrlich war das! Verständlich daher, dass man Henri Pousseurs «variable Oper» mit dem Titel «Votre Faust» rund fünfzig Jahre nach ihrer Entstehung noch einmal aufführt. Es ist eine der wenigen...
Ein neuer «Ring» soll geschmiedet werden – von Valery Gergiev und seinen Truppen. Die Arbeit daran soll sich über zwei Jahre hinziehen, was wohl an den internationalen Verpflichtungen der Beteiligten liegt, die nur selten gleichzeitig frei sind. Für die Aufnahme der «Walküre» zum Auftakt des Projekts fanden sie sich zwischen dem 24. und 27. Juni 2011, zwischen dem...
Ein Schluss, wie er im Buche steht. Längst haben Hagens Mannen Siegfrieds Katafalk aus Stühlen aufgeschichtet, als Brünnhilde erscheint, das Gesicht unterm Witwenschleier verhüllt und ein Flämmchen tragend, als wär’s das der Freiheitsstatue. Selbst wenn sie sich am Ende nicht aufs hohe Ross schwingt, scheint das ganze Theater unter ihren Füßen zu entflammen. Wüstes...
