Gluck: Orfeo ed Euridice
Was ist das Leben schon wert ohne die Liebe? Nichts!, klagt Robert Carsen in Chicagos Lyric Opera – und lässt sich von Tobias Hoheisel eine graue Mondlandschaft entwerfen. Eine karge Kiesgrube für Glucks «Orfeo ed Euridice». Eine triste Gegenwelt. Auf den ersten Blick ist klar: Orpheus’ Trauer kennt keine Grenzen. Und sein Versuch, die Geliebte zu neuem Leben zu erwecken, ist zum Scheitern verurteilt.
Robert Carsens Inszenierung – ganz nach amerikanischer Art so heftig wie kurz beklatscht – versucht in ihrer Kargheit, Raum zu schaffen für Glucks Musik.
Dass sie mit viel flackerndem Feuer keine Berührungsängste mit allzu Geschmäcklerischem zeigt, sollte man ihr nachsehen. Dass der Chor singender Mumien zum Kichern komisch wirken muss, ist wohl Künstlerpech: Ausrutscher in einer sonst geschmackvoll präzisen, packenden Inszenierung.
David Daniels stolpert, unrasiert natürlich und im dunklen Anzug, durch die Ödnis: besinnungslos vor Trauer, ziellos vor Liebe. Sein Orpheus mag sich selbst kaum mehr kennen; seine Stimme aber hält David Daniels unter Kontrolle, beinahe übervorsichtig sogar zurück, so dass sie immer wieder vom Orchester überspielt wird, immer wieder in ihm zu ertrinken ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Seltsam, dieses Nachleben von «La clemenza di Tito». Es blieb über mehr als zweihundert Jahre ein permanentes Hin und Her zwischen beliebt und vergessen. Dass diese Oper ausgerechnet im Mozart-Jahr 2006 von zahlreichen Bühnen wieder lebhaft in Erinnerung gebracht wird, zeugt ebenso von einem gewissen Nachholbedarf wie die Tatsache, dass der «Titus» nahezu...
Seit die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli ihr binnen kurzem zum Bestseller avanciertes Vivaldi-Recital vorstellte, ist das Interesse an den musikdramatischen Werken des «roten Priesters» sprunghaft angestiegen. Und schon lange beschränkt sich die Wiederentdeckung Vivaldis als Opernkomponist nicht mehr auf die Veröffentlichung erlesener Arien-Paraden. Das...
Traetta wirkt. Viel Applaus am Ende – nach mehr als drei Stunden Schwindel erregenden Koloraturen, rasenden Orchesterläufen, virtuosen Soloinstrumenten, nach frappanten Choreinsätzen, ungewöhnlich gebauten Ensembles. Zweihundertvierundvierzig Jahre nachdem sie von Kurfürst Carl-Theodor in Auftrag gegeben wurde, steht «Sofonisba» wieder auf dem Mannheimer...
