Gefährliche Liebschaften

Juan Bautista Otero gräbt Antonio Mazzonis «Aminta» aus

Opernwelt - Logo

Unter den vielen Barockopern, die seit etwa dreißig Jahren auch klingend wieder entdeckt werden (Wissenschaftlern und Archivaren waren sie seit je bekannt), gehört Antonio Mazzonis «Il re pastore» zu den wirklich hörenswerten. Juan Bautista Otero hat sie mit der lebendig, pikant und blitzsauber musizierenden Real Compañía Ópera de ­Cámara 2006 unter dem Titel «Aminta» bei den Tagen Alter Musik in Herne ausgegraben und anschließend unter Studiobedingungen in Barcelona optimal eingespielt. Der aus unerfindlichen Gründen geänderte Titel lässt an Torquato Tasso denken.

Doch nicht sein stilbildendes Schäferspiel gleichen Namens bildet Mazzonis Textgrundlage, sondern Pietro Metastasios 1751 für eine Liebhaberaufführung am Hofe Maria Theresias geschriebener und dann bis 1800 mindestens dreißigmal, 1775 auch von Mozart vertonter «Il re pastore – Der König als Hirte».
Es geht um ein «bescheidenes» Leben in der «Natur» (als Heilmittel gegen die Machtkämpfe bei Hofe), um den Seelenadel, der auch in der ärmsten Hütte leuchtet und um die Macht der Liebe, die über der politischen Macht steht. Doch so kompromisslos Metas­tasio die soziale Realität seiner Zeit ausblendet, so feinfühlig vertieft er ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2007
Rubrik: CDS, Seite 52
von Boris Kehrmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
«In der Oper muss man auch träumen»

Ein kostbares, dunkel getöntes Timbre. Eine bravouröse Beweglichkeit und eine mühelos ansprechende Stimme im Ziergesang. Ein stets waches, kultiviertes Stilgefühl. Schauspielerisches Temperament und eine anmutige Bühnenpräsenz. Laura Polverelli ist wie geschaffen für das Repertoire eines Koloraturmezzos. Und für die Hosenrollen der Opernliteratur. Die in hohen...

Romantischer Trash

Noch bis vor kurzem galten die Bilder aus dem alten Russland oder wenigstens die Anmutungen einer brüchig tradierten Bürgerwelt als Garanten dafür, dass Tschaikowskys Lyrische Szenen zu Puschkins Versroman «Eugen Onegin» ihre Theaterpoesie entfalteten: Peter Stein hatte zuletzt in Lyon viel kunsthandwerkliche Präzision im bürgerlichen Realismus aufgeboten, Andrea...

Humperdinck: Königskinder (A. Jordan)

Der Mitschnitt einer konzertanten Aufführung der ­«Königskinder» vom Juli 2005 aus Montpellier ist wohl eine der letzten Aufnahmen des am 20. September 2006 gestorbenen Armin Jordan, der ursprünglich auch die neue Zürcher Produktion dirigieren sollte. Seine Opern-Diskografie ist schmal. Immerhin sind auf CD ­erschienen: «Pelléas et Mélisande» (1981), «Le Roi...