Frühstück im Grünen
Im Jahr seines 150. Geburtstages scheint Giacomo Puccini immer noch kaum über den Ruf eines preiswerten Pralinenlieferanten hinausgekommen. Für die verschiedenen Versionen seiner Opern, für Früh- und Nebenwerke interessiert sich kaum jemand. Wie anders wäre es zu erklären, dass die wiederentdeckte Urfassung von Puccinis «Edgar» – mit fast vierzig Minuten neuer, bester Puccini-Musik – nicht in Mailand, Rom oder Berlin wiederaufgeführt wurde. Sondern im eher entlegenen Teatro Regio von Turin.
Ein Jahrhundert lang wurde die dreiaktige, um den Final-Akt gekürzte Fassung aufgeführt – und auf CD verewigt mit Carlo Bergonzi und Renata Scotto, Carl Tanner und Julia Varady sowie jüngst in einer Gesamtaufnahme mit Plácido Domingo. Puccini sah sich zu Kürzungen gedrängt, nachdem der Uraufführung in Mailand 1889 ein nur mäßiger Erfolg beschieden war. Wirkungsgeschichtlich den Garaus gemacht hat «Edgar» die Handlung. Die Geschichte vom einfältigen, flandrischen Findling, der sich zwischen zwei Frauen nicht entscheiden kann, endet mit einem Hoch aufs Schafott, wo man die ruchlose Zigeunerin Tigrana hinrichten will.
Lorenzo Mariano inszeniert die Fabel (nach Alfred de Musset) in Turin jetzt als ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In Sachen Selbstvermarktung geben uns die englischen Theater ein nachahmenswertes Beispiel. Die Londoner Covent Garden Opera hat unlängst das DVD-Label Opus Arte übernommen, nun startet das Glyndebourne Festival eine eigene CD-Reihe mit historischen und neueren Mitschnitten. Der Auftakt mit der Erstveröffentlichung von «Le nozze di Figaro» aus dem Jahr 1962 ist...
Kristina Wuss, Berghaus- und Konwitschny-Schülerin, hat Oscar Wildes einstiges Skandaldrama gegen den Strich gelesen. Sie entziffert in Strauss’ Vertonung der Begegnung der morbiden Kindfrau mit dem asketischen Propheten zu Recht eine psychologische Introspektion. Bei ihr ist Salome keine wahnsinnige Mänade, sondern ein junges Mädchen, das in einer aus den Fugen...
Wagner, der alte Verführer und Menschenfänger. Ungebrochen entfaltet er seine Wirkung. Mit dem Rausch seiner megalomanen Dramen. Mit der Droge seiner unendlichen Melodien. Mit dem schaurig-schönen Appeal seiner volltönenden Apokalypsen. Das Gespenst seines Genies geht um, wo immer Oper und Musiktheater gemacht wird. Und das seit mehr als hundert Jahren. Bayreuth...
