«Das Chaos ist aufgebraucht. Es war die beste Zeit»

Luigi Nonos «Al gran sole carico d´amore», dirigiert von Ingo Metzmacher, wäre in der Felsenreitschule auch ohne Videos ein Ereignis. Claus Guth möchte bei «Cosi fan tutte» den Eros zeigen und erzeugt dabei nur Langeweile. Unterboten wird die jüngste Mozart-Premiere der Salzburger Festspiele allerdings von einem Gemeinschaftsprojekt des Noch-Intendanten Jürgen Flimm mit Riccardo Muti: Oper aus der Mottenkiste, wofür Rossinis Meisterwerk «Moise et Pharaon» herhalten muss.

Opernwelt - Logo

Die Szenerie war imposant. Die Wiener Philharmoniker füllten in voller Breite die Felsenreitschule, links hoch oben thronte die Schlagwerk-Gruppe auf einem gesonderten Podest. Rechts hing eine riesige Video-Wand mit grauweißer Grundmusterung, darunter war der Chor, die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor, postiert. Links hinten erstreckten sich sechs oder sieben kleine Kabinette, in denen sich mit Beginn der Aktionen stumme Schauspielerinnen betätigten.

Es handelte sich bei ihnen gleichsam um wiedergeborene historische Revolutionärinnen: Louise Michel, Tania Bunke, Deola, eine russische Mutter, eine Turiner Mutter. Während diese sich in den Zimmerchen – arm, aber sauber – emsig mit Kochen, Putzen und natürlich mit den Vorbereitungen für den revolutionären Kampf beschäftigten, filmten Live-Kameras alles minutiös ab, um es auf die große Video-Wand zu projizieren.
Eine Zeitlang war der Zuschauer damit beschäftigt, die sichtbaren Bilder auf ihre Über-
einstimmung zu kontrollieren, die Musik lief fast wie ein Soundtrack ab. Dann aber trat allmählich eine optische Ermüdung ein, und Luigi Nono erhielt das Musikwort: Ingo Metzmacher erwies sich als souveräner Herrscher über die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2009
Rubrik: Festspiele, Seite 8
von Gerhard Rohde

Vergriffen
Weitere Beiträge
„Die Musik durchschreiten”

 

 

"Es ist für mich das Größte, die Musik von Bach zu spielen, an ihr zu arbeiten! Diese Musik zu durchschreiten, egal ob am Instrument oder Radio, gibt mir jedes Mal Kraft und Ruhe." Der Geiger Frank Peter Zimmermann (Foto) zählt - fern von Kommerz und Medienrummel - zu den Größten seiner Generation. In Film von Benedict Mirow und Dorothee Binding gewährt er...

Startschuss für die Berlioz-Renaissance

Schon zu Berlioz’ Lebzeiten galten «Les Troyens» in der fünfaktigen Version als unaufführbar. Der Komponist musste sein ehrgeizigstes Werk deshalb teilen. Was dann am
4. November 1863 unter dem Titel «Les Troyens à Carthage» im Pariser Théâtre-Lyrique zur Uraufführung kam, waren die letzten drei Akte. Die ersten beiden («La Prise de Troie») wurden zehn Jahre nach...

Glück im Unglück

Für Tschaikowskys Kurzoper «Jolanthe» waren Rolando Villazón und Anna Netrebko im Festspielhaus Baden-Baden wieder einmal als Traumpaar gebucht, ehe der mexikanische Tenor im Februar seinen Auftritt wegen akuter Stimmbandprobleme absagte. Glücklich ist das Publikum nach der glanzvollen Eröffnung der Sommerfestspiele trotzdem geworden. Denn Anna Netrebko setzt nach...