Kopflos

Bellini: I puritani Zürich / Opernhaus

Opernwelt - Logo

Die Bilder sind nur allzu vertraut. Im Hintergrund der «Puritani», der letzten Oper Vincenzo Bellinis, tobt einer jener Religionskriege, von denen heute Tag für Tag Schreckensnachrichten um die Welt gehen. Andreas Homoki, der «I puritani» am Opernhaus Zürich auf die Bühne gesetzt hat, stellt die Parallele und damit die Aktualität des Stoffs scharf ins Licht. Zur ersten Szene zeigt er die Gefangennahme und die Enthauptung des an einen Stuhl gefesselten Stuart-Königs Charles I. durch den Offizier Bruno.

Den mit einem großen Messer abgetrennten Kopf erhält die soeben zur Witwe gewordene Königin Henriette, bevor sie, dies freilich hinter der Bühne, den Mörder ihres Gatten noch von einer anderen Seite kennenlernt. Homoki geht hier einige Schritte über das Libretto von Carlo Pepoli hinaus, er denkt es aber bloß weiter, erfindet nichts dazu.

Anders im Finale. Da widerfährt dem Offizier Arturo Talbo dasselbe Geschick wie seinem König: im selben szenischen Setting, mit demselben Ergebnis. Zum Schluss steht die von ihrem Wahnsinn geheilte Elvira als eine andere Salome da, mit dem durch einen schwarzen Sack verhüllten, frisch abgetrennten Kopf ihres Geliebten in den Armen – während der Chor ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Peter Hagmann

Weitere Beiträge
Ein Fragezeichen, mehr nicht

Ein Montag im Juni. Der Zuschauerraum der Münchner Kammerspiele liegt im Halbdunkel, in Reihe 8 sitzt David Marton, in T-Shirt, Jeans und Turnschuhen, und reibt sich die Augen. In wenigen Minuten beginnen die Endproben zu «Figaros Hochzeit», die Zeit rast, fünf Tage bleiben bis zur Premiere – und Marton kämpft gegen ein Problem, das nur die wenigsten Regisseure...

Infos

JUBILARE

Von 1937 bis 1944 erhielt Theo Adam im Dresdner Kreuzchor eine erste, intensive musikalische Ausbildung. Nach dem Abitur wurde er eingezogen und geriet als Soldat der Wehrmacht schließlich in Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Rückkehr arbeitete Adam ab 1946 in seiner Heimatstadt Dresden als Lehrer und nahm gleichzeitig Gesangsunterricht bei Rudolf...

Pack die Badehose ein

Als Baldassare Galuppi 1753 seine Goldoni-Vertonung «I bagni di Abano» herausbrachte, zeigte sich: Thermen, Spas und Badeorte sind ein ideales Buffo-Setting, schon wegen des dort üblichen zwanglosen Umgangs. In Fabio Vacchis «La station thermale» (1993, ebenfalls ein Goldoni-­basiertes Stück) funktioniert die Idee nicht minder gut als in Rossinis «Il viaggio a...