Traumrolle David
Wie bringt man es vom Statisten eines Dresdner Operettentheaters zum Kammersänger der Berliner Staatsoper und zum Kunst- und Nationalpreisträger? Harald Neukirchs an künstlerischen Höhepunkten reiche Karriere gibt auf diese Frage eine Antwort: Neben dem Geschenk einer ausdrucksvoll timbrierten hohen Tenorstimme mit ihrer bis ins Alter hinein jugendlichen Ausstrahlung und einem natürlichen Spieltalent war es vor allem das planvoll-zielgerichtete Verfolgen seines einmal eingeschlagenen Weges, das ihn über Jahrzehnte hin zu einem der gefragtesten Sänger in der ehemaligen DDR gemacht hat.
Geboren 1928 im sächsischen Döbeln und aufgewachsen in Moritzburg, beginnt Harald Neukirch nach dem Abschluss der Volksschule mit einer Tischlerlehre in Dresden-Radebeul, aus der er im Alter von noch nicht siebzehn Jahren durch die politischen Ereignisse herausgerissen wird: Am 1. April 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, zieht man ihn ein zum Militär, schickt ihn zuerst nach Berlin, dann an die Front. Nur wenige Tage vor Beendigung der Kampfhandlungen gerät er in Gefangenschaft und wird ins tiefste Russland verfrachtet, fünfhundert Kilometer hinter Moskau, wo er schwere Waldarbeit zu leisten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Unter dicken Schichten von Baustaub liegt das Teatro Colón derzeit wie tot. Dem Zuschauerraum fehlt die Bestuhlung. Vom fünften Rang herab verhüllen Plastikplanen die alte Pracht. Die finstere Stille im größten und bedeutendsten Opernhaus Südamerikas indes täuscht. In Wirklichkeit ist das Gebäude offen. Was die vielen Musiker mit Instrumenten hier tun, wollen wir...
Seien wir ehrlich: Dies Werk zu (be-) greifen, ist schlichtweg ein Akt des Unmöglichen. Zu mäandernd fließt der Strom der Gedanken, zu üppig gestaltet sich die Ausschweifung des Geistes, und vor allem: Zu (entstehungs)zeitimmanent ist vieles, um es heute noch ins rechte Licht der Erkenntnis rücken zu können. Selbst ausgewiesene Kenner der Materie raten deshalb zu...
Niemand wird bei einer «Jenufa»-Produktion ernstlich die klappernde Mühle am rauschenden Bach erwarten, obwohl sie bei den recht zahlreichen Inszenierungen der jüngsten Zeit immer mal wieder vorkam. Auch in Mannheim wird sie zitiert – aber dann gleich vervielfacht: Achtzehn kleine Mühlsteine, im Kreisrund aufgebaut wie ein Gralstempel für «Parsifal», sind die...
