Was der Hass nicht vermag
Die Zauberin Armida, die gegen ihren Willen dem Kreuzritter Ronaldo verfällt, hat auch einer Menge Komponisten der letzten 400 Jahre den Kopf verdreht. Von Lully bis Dvorák – wer hat nicht alles die Story vertont! Gluck tat es 1777 in Paris, bereits als berühmter Opernreformer. «Armide» hat allerdings nicht die Stringenz und dramatische Kraft seiner anderen Reifewerke, etwa der beiden Iphigenie-Opern. Aber Barrie Kosky versteht es in seiner Amsterdamer Inszenierung mit Bühnenbildnerin Katrin Lea Tag trotzdem, dem Stück durch suggestive, poetische Bilder Glanz und Größe einzuhauchen.
Zu Beginn: ein karger, unscheinbarer Sandhaufen, ein einsamer Baum, man wähnt sich in «Warten auf Godot». Doch die Leere ist vor allem Kontrastfolie für das, was kommt. Zum Beispiel Regenschleier, die majestätisch langsam zu Boden sinken – in ein langgestrecktes Becken, wo sich das Volk tummeln darf. Reflexionen des Wassers auf der Wand, schimmernde Wellenberge, sich überlagernd, tanzend. Dann: zehntausende bunter Blätter, die zu Boden rieseln, minutenlang, endlos, in Mengen.
Was Kosky hier auf die Bühne stellt, sind keine selbstgenügsamen, bloß «schönen» Tableaus. Sie sind Verlängerungen der Psyche der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Udo Badelt
Herr Fagioli, als «Artaserse» von Leonardo Vinci auf CD erschien, sagte Philippe Jaroussky, die wahre Sensation der Aufnahme werde nicht er selbst, sondern Franco Fagioli sein. Sind Sie ein Überflieger?
Das ist ein tolles Kompliment! Dabei bin ich fast vor Schreck gestorben, denn ich musste neben vier weiteren Countertenören bestehen: Philippe Jaroussky, Max Emanuel...
Mit Recht durfte sich Irland im Oktober ein paar Tage lang als Nabel der Opernwelt fühlen – nicht nur wegen des Wexford Festivals, sondern auch dank der von Antony McDonald stilsicher und geschmackvoll eingerichteten Neuproduktion von Gerald Barrys meisterhafter Oper «The Importance of Being Earnest» in Derry/Londonderry.
In Wexford präsentierte man in drei Tagen...
«Verdi im Visier» – so lautet das martialisch anmutende Motto für eine Aufführungs-Trias der Staatsoper Hamburg von drei frühen Opern des Komponisten: «La battaglia di Legnano», «I due Foscari» und «I lombardi alla prima crociata» unter der musikalischen Leitung von Simone Young und in der Regie von David Alden. Schon nach den beiden ersten Aufführungen kann man...
