Übersteuert
Erich Wolfgang Korngolds «Tote Stadt» wurde 1920 uraufgeführt, und zwar gleichzeitig in Hamburg und Köln. Ein Erfolg, von dem sich das Junggenie nie mehr erholte. Soweit, so bekannt. Mit dem Datum 1920 verbinden sich auch viele aufführungspraktische Aspekte, die weit weniger bekannt zu sein scheinen.
Wie dezent konnte das vorgesehene Mammutorchester damals begleiten? Um wie viel geringer als heute war, aufgrund anderer Spielweisen und zum Teil sogar anders gebauter Instrumente, der Lautstärkepegel? Keine Frage: Der junge Korngold hat oft überinstrumentiert; er griff rasch und gern in den Topf der Instrumentalfarben. Dennoch: Der Orchesterklang, den er schreibend im Ohr hatte, muss von dem, was wir heute gewohnt sind, durchaus verschieden gewesen sein. Sonst hätten niemals genuin lyrische, schmelzbegabte Stimmen wie Richard Tauber oder Maria Jeritza die Hauptpartien singen können.
In Nürnberg wurde man sich dieser Problematik schmerzlich bewusst. Philipp Pointner, der Erste Kapellmeister des Hauses, hatte die Phrasierung zwischen Bühne und Graben genau abgestimmt. Er atmete mit den Sängern. Trotzdem war das Volumen des Orchesters von Anfang bis Ende zu laut, was mit der Akustik ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Erinnern wir uns. Erinnern wir uns an Helsinki, September 2004. An das Meer, das auf unerklärliche Weise den Weg auf die Bühne der Finnischen Nationaloper genommen hatte, und an diesen transparenten, weiß und schwarz schimmernden Nachen, wie von Lohengrin ersonnen, aber nicht von ihm gezogen, darin ein Mann den Weg zur fernen, ja unsterblichen Geliebten suchte und...
Die Zweifel, die Händel-Forscher Rainer Heyink im Booklet der Neueinspielung am mutmaßlichen Auftraggeber des «Rodrigo» äußert, scheinen nur allzu berechtigt: Sollte der toskanische Großherzog Ferdinando de Medici wirklich eine Oper bestellt haben, in der ausgerechnet der Herrscher als ziemlicher Versager porträtiert wird? Bei der Florentiner Uraufführung 1707...
Rameau, der große Wiederzuentdeckende, kommt immer mehr auch auf den kleineren Bühnen an. So versprach Oldenburg zum Spielzeitabschluss unter dem Titel «La Fête» ein Opernfest mit seiner Musik und erinnerte damit an barocke Traditionen. Wenngleich in ganz anderer Umsetzung als damals, vor mehr als 250 Jahren, als in Paris zur Zeit des Sonnen-königs und seines...
