Valse triste
Es las sich wie eine Verheißung: «Lucia di Lammermoor» ungekürzt, mit neu durchdachten Verzierungen; die Wahnsinnsszene nicht wie üblich als Duett zwischen Flöte und Sopran, sondern mit Glasharmonika (wie von Donizetti vorgesehen). Dazu eine Begegnung der überfälligen Art: Belcanto meets Regie. Und Ensemblegeist. Kein Bahnhof herumreisender Kehlkopfakrobaten, keine pseudo-schottisch auskostümierten Auf- und Abtritte, sondern ein Sich-Verhalten zu einer Musik, die uns – allen Ohrwurmqualitäten, allem Callas-Mythos und Gruberova-Kult zum Trotz – doch sehr fern ist.
Dass die so viel versprechende Hamburger «Lucia»-Premiere enttäuschte, lag an mehreren Faktoren, die – je länger der Abend, desto mehr – ineinander griffen. Simone Young wedelte zwar viel (mal grazil, mal feldherrenhaft) mit Oberarmen und Händen, aber sie konnte doch kaum vermitteln, was diese Musik mehr als alles andere braucht: eine geerdete rhythmische Souveränität, die erst die Basis für melodische Entfaltung und Freiheit schafft. Hamburgs Staatsopernchefin war pausenlos um Kontrolle bemüht, genauer: um schlichte, musikalische Kongruenz zwischen Orchester und Bühne, und sie musste das sein, weil sich kaum ein Tempo und ...
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Der Applaus zu Beginn ist so intensiv, dass sofort spürbar wird: Hier kehrt einer zurück, der in bester Erinnerung ist. Kein Wunder: Während seiner Zeit als Chefdirigent der Amsterdamer Oper und des Nederlands Philharmonisch Orkest hatte Hartmut Haenchen den ersten szenischen «Ring des Nibelungen» in den Niederlanden aufgeführt – und zwar «authentisch», das heißt,...
In seinem autobiografischen Rückblick hat Carl Orff mit der ihm eigenen Nüchternheit über «Gisei» den Stab gebrochen und das Werk an den Beginn seiner «jugendlichen Schiffbrüche» gestellt. Was ihn 1913 bewog, den Einakter zu schreiben, war der Versuch, zwei Strömungen der Zeit – Debussys Revolutionierung der Musik und die Faszination durch das japanische Theater –...
