Es war einmal
Es gab kein Halten, 75 Aufführungen in Folge: Um einen solchen Erfolg hätte selbst ein Rossini seinen damals noch weitgehend unbekannten Kollegen Meyerbeer beneiden können. Dessen dritte italienische Oper (von sechs) schlug 1819 in Venedig ein wie ein Blitz. Das lag kaum an der mehr als umständlichen Intrige, sondern am unerhörten, weil dezidiert romantischen Klang.
Mit exquisiten Farben und der häufigen Verwendung mediantischer Harmonien entsteht eine melancholische Aura des «Es war einmal»: Die von ihrem schottischen Castle verbannten Eheleute Emma und Edemondo treten als Barde und als Schäfer auf die (Klang-)Bühne. Auch dramaturgisch hält der unermüdlich experimentierende Meyerbeer die Musik ständig in Bewegung: mit dialogischen Chören, abgebrochenen Strophen, überraschten Aufschreien.
Nun liegt – ein Glücksfall! – diese «Emma di Resburgo» erstmals auf CD vor, als Mitschnitt einer konzertanten Aufführung in Wien. Die hinreißende Musik steht Bellinis «La straniera» von 1829 näher als Meyerbeers späteren Pariser Opern. Der italienische Meyerbeer war weit mehr als ein «Rossini-Epigone». Schon am Beginn seiner Karriere hatte der Kosmopolit aus Berlin zu einem eigenen Ton gefunden – ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Anselm Gerhard
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