Medaillons der Gefühle
Einspielungen von Franz Schuberts Winterreise scheinen in den letzten Jahren zu sprießen wie Pilze nach einem Gewitterregen. In einer immer unsicherer werdenden und soziale Kälte verbreitenden Welt trifft dieser Zyklus den Nerv vieler. Doch darf man als Interpret mit dem Winterreisenden mitleiden? Matthias Goerne verwies in einem Interview auf die «Angst vor der Instrumentalisierung der Gefühle» in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts.
Manche verkehrten dies, so Goerne, heute ins Gegenteil, wobei «ein zarter Komponist wie Schubert schnell bieder und trivial» werde bei einem Übermaß falscher Emotionen. Dem Interpreten ist also die Distanz eines – durchaus mitfühlenden – Kommentars zu empfehlen. Was auf die Einspielung des Baritons Jochen Kupfer und der Pianistin Susanne Giesa durchaus zutrifft. Freilich könnte auch der Kommentator auf jene «schneidenden Töne» zugreifen, die Schubert-Freund Johann Mayrhofer an diesem Zyklus konstatierte – Ian Bostridge, beispielsweise, hat dies beinahe im Übermaß getan. Kupfer hingegen widmet sich in dieser bereits 2002 aufgenommenen und nun erstveröffentlichten Einspielung eher einem schönen, gepflegten Ton (wobei die Stimme ihm hier, ...
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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Gerhard Persché
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