Monodenschau
Hätte Emilio de’ Cavalieri seine «Rappresentatione di anima et di corpo» ein paar Monate später geschrieben, wäre die Musikgeschichte ein wenig übersichtlicher. Dann nämlich bliebe es dabei, dass die «Euridice» des Gattungserfinders Jacopo Peri auch die erste vollständig erhaltene Oper ist. So aber droht ihr Cavalieris ebenfalls im Heiligen Jahr 1600 uraufgeführtes Stück den Titel streitig zu machen: Dessen Dialoge sind nämlich ebenfalls im neuen monodischen Deklamationsstil geschrieben, man kann es also als geistliche Oper betrachten.
Das hat seinen Reiz, weil das Opus mit seiner Vielzahl an Chören und Instrumentalstücken den attraktiveren Gattungsauftakt darstellt. Gegenargument: Der Titel «Rappresentatione» schließt das allegorische Spiel um den Widerstreit von Körper und Seele an die seit dem Mittelalter bestehende Tradition des geistlichen Theaters an, auch wenn es dieses stilistisch neu beleben will.
2012 brachte René Jacobs das Stück zusammen mit dem Regisseur Achim Freyer auf die Bühne der Staatsoper Berlin. Die vorliegende Aufnahme, entstanden im Anschluss an die Aufführungsserie, dokumentiert dabei kein abgeschlossenes «Werk». Es ist das übliche Problem: Cavalieris ...
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Opernwelt April 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Carsten Niemann
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