Kleines Wunder
So kennt man die Geschichte aus der Erzählung von Friedrich de la Motte Fouqué: Des Fischers Tochter verschwindet eines Tages, während am gleichen Abend auf der Schwelle seiner Behausung ein anderes Mädchen erscheint. Undine eben, die von den verzweifelten Eltern an Kindes statt angenommen wird und an den Gestaden eines kleinen Sees zu einer jungen, faszinierend fremdartigen Frau heranwächst.
Antonín Dvořák hat sich bei «Rusalka» zwar auch von anderen Überlieferungen inspirieren lassen, aber Regisseur Alan Lucien Øyen kommt auf den eigentlichen Ausgangspunkt des Märchens zurück und interpretiert die Vorlage, während das Orchester der Opera Vlaanderen ein fast schon wagnerhaftes Vorspiel intoniert, von Anfang an als eine Art Verwechslungsgeschichte, die bitter ausgeht.
Ganz klar wird allerdings nicht, ob es sich in der Folge nun um das richtige Leben im falschen handelt oder umgekehrt. Die hölzernen Lamellenwände von Åsmund Færavaag lassen jedenfalls an Wasserwogen denken, zwischen denen im ersten Akt mit Annelies Van Gramberen, Zofia Hanna und Raphaële Green drei durchweg farbig besetzte Elementargeister erscheinen, die hier nicht einfach in schillernder Musik baden, sondern sich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Hartmut Regitz
Hanns Eisler, bekannt für seine scharfe Zunge (deretwegen ihn sein geistiger Ziehvater Arnold Schönberg gerne «übers Knie gelegt» hätte), machte in seiner Kritik am reaktionären gesellschaftlichen Verhalten in der Musik auch vor den großen Meistern nicht halt.
Im Gespräch mit Hans Bunge bemerkte er, «dass selbst bei (…) Mozart noch das Klirren der Teetassen und...
In der Oper ist er Normalfall: der psychische Aggregatzustand des Außer-sich-Seins. Und eine gewisse Erregung sogar eigentlich die Grundvoraussetzung für Expression durch hochtourigen Gesang. Besonders im 19. Jahrhundert trieb diese Einsicht giftige Blüten; auffällig oft verfallen in den Opern dieser Zeit Frauen dem Wahnsinn. Gaetano Donizettis «Lucia di...
Früher nannte man ein Theaterstück, das zur Weihnachtszeit für die «ganze Familie» in Szene gesetzt wurde, ein Weihnachtsmärchen. Diese Aufgabe erfüllt die am Aachener Theater uraufgeführte Oper «Der Zauberer von Oz» des Komponisten Anno Schreier spielend, und doch ist sie sehr viel mehr: ein kleines Stück Welttheater – für Kinder eine eingängige Zaubergeschichte,...
