Hauptsache authentisch
Frau Kirchschlager, ist es schwieriger geworden für Berufsanfänger?
Viel schwieriger. Andererseits: Mein Lehrer, Walter Berry, hat mir dasselbe schon vor zwanzig Jahren gesagt. Es ist wohl eher so, dass sich die Anforderungen verändern. Aber ich fände es schon hart, diesen Kampf heute noch einmal aufzunehmen.
Was genau empfinden Sie als härter?
Früher gab es an den Theatern die Möglichkeit, als Ensemblemitglied Dinge auszuprobieren. Sogar an der Wiener Staatsoper.
Ich habe mich dort an Strauss’ Komponist versucht – war aber nicht das Richtige. Also ließen wir das wieder weg. Und alle haben mir verziehen. Der Direktor, das Publikum, die Presse.
Und heute haben diese Parteien weniger Nachsicht?
Ja. Die Gier nach Sensationen ist zu groß. Das ist auch Schuld der Presse. Wenn eine Anna Netrebko schwanger ist und ein paar Monate nicht präsent, muss sofort «die neue Netrebko» her. Irgendeine junge Kollegin wird blitzschnell hochgehypt, und alle Medien springen auf den fahrenden Zug. Beladen sie mit Erwartungen, die eigentlich unerfüllbar sind. Sobald sich dann herausstellt, dass sie auch nur ein Mensch ist, gute und schlechte Tage hat, wird sie fallen gelassen. Das macht es sehr schwer.
Wo ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Wiebke Roloff
In Marcel Prousts legendärem, von ihm selbst sogar zweimal ausgefüllten Fragebogen sowie seinen Nachfolgern gibt es die obligate Rubrik «Lieblingskomponisten». Häufig sind die Antworten der Prominenten kanonisches name dropping – mit Bach, Mozart und Beethoven an der Spitze. Fallen indes, selten genug, Namen wie Berlioz oder Mussorgsky, ist man schon eher geneigt...
Die neue Oper von Peter Eötvös verdankt sich einem Joint Venture: einem schon vor geraumer Zeit vergebenen Kompositionsauftrag der Kölner Philharmonie sowie einem jüngeren, auf Vorschlag von Henri Dutilleux erteilten des New York Philharmonic Orchestra. Philharmonie-Intendant Louwrens Langevoort ließ sich darauf ein – unter der Bedingung, dass die Uraufführung in...
Es kann ein Schock sein, hier aus dem Flugzeug zu steigen, wenn man nicht vorbereitet ist. Eben noch bin ich voller Energie über die Gangway gestürmt, jetzt lehne ich an der Wand, nach Luft schnappend, das Herz hämmernd. Die Luft ist dünn in Denver. Sehr dünn. Die Hauptstadt des US-Bundesstaates Colorado wird nicht ohne Grund «Mile High City» genannt.
Von Denver...
