Beherzte Eingriffe
Man sieht es und staunt: Mitten auf der kleinen Bühne des Theaters Plauen ist ein fliegender Teppich gelandet und hat gleich einige Musiker aus dem Orient ins schöne Sachsen mitgebracht. Diese ergänzen nun mit authentischen Klängen aus ihrer Heimat die von Peter Cornelius recht umständlich erzählte Geschichte vom verhinderten Liebespaar und der Hilfe durch den gerissenen Abul Hassan Ali Ebe Becar; Klänge, die den Weimarer Liszt-Jünger seinerzeit, als er die Geschichte aus 1001 Nacht vertonte, nicht die Bohne interessierten.
In Plauen wird Cornelius’ Partitur von dem Dirigenten Mark Johnston am Klavier so gekonnt improvisiert, dass sie gleichsam als Bindeglied zur Instrumentalkunst (Laute, Schlagzeug) und zum Gesang der arabischen Musiker dient. Vor allem Ghandi Al Jrf verleiht mit seinen virtuosen vokalen Verzierungen dem Werk jenen emotionalen Tiefgang, der Cornelius’ kühler Tonsprache schmerzlich fehlt. Für den Komponisten und seinen «Barbier von Bagdad» ist es kein Kompliment: Die Struktur der Oper wird dadurch nicht zerstört, sondern tritt ganz im Gegenteil klarer zutage als im Original.
Auch wenn der Arbeitsprozess dem Vernehmen nach recht kompliziert gewesen sein mag, hat ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Uwe Friedrich
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Geht es um Belcanto, «geben sich die Produzenten meist damit zufrieden, um ein paar Vokalstars herum dekorative Arrangements zu schaffen», habe ich aus früherem Anlass einmal moniert. Wie schön, dass ich jetzt von drei prominenten Gegenbeispielen berichten kann, bei denen die Regisseure die szenischen Herausforderungen und Möglichkeiten, die in den Stücken stecken,...
Es gibt ein Genre des Musiktheaters, das lange als undramatisch und papieren galt. «Konversationsstück für Musik» hat es Richard Strauss treffend im Untertitel von «Capriccio» genannt, mit anderen Worten: Hier transportiert Musik nicht primär überwältigende Emotionen und grandiose Theatereffekte – sie dient vielmehr dem Diskurs. Bei der Premiere von «Capriccio» im...
