Editorial

Opernwelt - Logo

Elisabeth Schwarzkopf ist tot. Sie starb fünfunddreißig Jahre nach ­ihrem letzten Bühnenauftritt. Dennoch war sie für Sängerinnen, Sänger und Musikfreunde stets gegenwärtig. Das hatte nicht nur mit ihren Aufnahmen zu tun. Sie unterrichtete, bis zuletzt, leidenschaftlich. Sie kommunizierte und kommentierte, wann immer es ihr nötig schien. In der «Opernwelt»-Redaktion rief sie noch vor kurzem an, weil sie auf der Suche nach ein paar alten ­Fotos war.

Als die Schubertiade ihr in Feldkirch 2005 ein Konzert zum neunzigsten Geburtstag ausrichtete, saß sie im Parkett – erstaunlich gut aussehend und das Programm mit spontanen Äußerungen lebhaft begleitend.
Im Unterricht konnte man nicht nur von, sondern auch über Elisabeth Schwarzkopf viel lernen. Kunst kam bei ihr vor allem von Konzentration. Es war Konzentration auf den Klang, den individuellen, unverwechselbaren, der für jede Singstimme erst er­arbeitet werden muss. Timbre allein nutze gar nichts, pflegte Schwarzkopf zu sagen. Dieser Formung des Klangs, dem Ausnutzen aller Resonanzräume eines Körpers, dem präzisen Sitz von Vokalen und Konsonanten und einer akribischen Verbindung der einzelnen Töne widmete sie ihre immense Energie – als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2006
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zerbrecht euch den Kopf!

Herr Zednik, in einem Interview haben Sie einmal ­gesagt, Ihre Lieblingspartie sei Tris­tan.
Natürlich. Oder Otello. Oder Tannhäuser. Nur leider hat mir der liebe Gott die Stimme dafür nicht gegeben.

Welche der einhundertfünfzig verschiedenen Partien, die Sie im Verlauf Ihrer Karriere gesungen haben, waren für Sie die wichtigs­ten?

Von der Potenz her waren es schon...

Himmelwärts

Worte nützen gar nichts. Auch das verzückte Gesicht des jungen Dirigenten bleibt wirkungslos. Das Hauptthema im ersten Satz von Mendelssohns «schottischer» Symphonie kommt einfach nicht in Form. Es schaukelt unentschlossen zwischen den Taktstrichen. Kein Drive, kein Ziel, kein Ausdruck. Was tun? Die Blicke einiger Orchestermusiker richten sich verstohlen ins...

Kurt Moll hört auf

Er war nicht nur der größte unter allen ­lebenden Bassisten, sondern zweifellos ein Jahrhundert­sänger: Kurt Moll. Jetzt verabschiedete er sich als Nacht­wächter in den «Meistersingern» von der Bühne: jener Partie, mit der er 1968 in Bay­reuth debütiert und mit der seine internationale Karriere begonnen hatte. Dirigent war damals nämlich Karl Böhm, der sich sofort...