Intensität durch Distanz
«Wir arme Leut’», singt Wozzeck, als der Hauptmann ihm Moral predigt. Ein Erniedrigter und Beleidigter. Alban Berg hat in seiner Vertonung von Büchners Fragment Armut und Verelendung ins Zentrum gestellt. Die Versuchung drängt sich auf, entweder Elendskitsch oder ein heutiges Hartz-IV-Drama in prekärem Milieu zu zeigen.
Regisseur Ingo Kerkhof ist im Kölner Palladium diesen Versuchungen aus dem Weg gegangen und hat mit kühler Konsequenz auf Reduktion und Ausnüchterung gesetzt.
Gisbert Jäkel hat ihm dazu in der ehemaligen Industriehalle eine tiefe, im hinteren Bereich stets dunkle Bühne gebaut. Bläuliches Licht erhellt die karge Szene: zwei Brecht-Vorhänge, ein Festzelt für die Wirtshausszene. Sonst nichts als ein paar Requisiten, die herein- und herausgetragen werden. Jessica Karges Kostüme zitieren eine nicht näher definierte (ländliche) Vergangenheit.
Kerkhofs Regie baut auf die Kunst des Weglassens. Das Programmheft zeigt auf Probenfotos noch einen blutverschmierten Wozzeck. Die Premiere kommt ohne Theaterblut aus, selbst das Messer fehlt: Wozzeck schiebt lediglich die bloße Hand unter Maries Kleid und tötet sie damit. Kerkhof konzentriert sich auf Wozzecks Innenleben, ohne die ...
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Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Regine Müller
Kein lieto fine. Karthago geht unter. Dido ist sich sterbend darüber im Klaren, dass ihr Fall etwas für die Geschichtsbücher sein wird. Und für die Oper natürlich. Wie oft Pietro Metastasios Libretto zu «Didone abbandonata» vertont wurde, weiß niemand genau. Rund 60-mal mit Sicherheit. Johann Adolph Hasse, ein Freund des Wiener Hofpoeten, schrieb seine Version...
Obwohl 1877 in Weimar und nicht in Frankreich uraufgeführt, ist «Samson und Dalila» hierzulande nie wirklich ein Repertoire-Stück geworden. An der Charlottenburger Oper wurde es 1929 unter Leo Blechs Leitung erstmals gespielt, im Haus an der Bismarckstraße dann erst wieder 60 Jahre später. In jüngster Zeit gab es in Köln, in Antwerpen und zuletzt in Nürnberg...
Bei seinem Debüt als Leiter der Innsbrucker Festwochen bewies Alessandro de Marchi eine glückliche Hand: Mit Pergolesis «L’Olimpiade» hatte sich der Nachfolger von René Jacobs nicht nur ein Schlüsselwerk für die Entwicklung der Opera seria ausgesucht, sondern auch durch eine musikalisch überragende Aufführung Pergolesi wieder seinen Platz in der ersten Reihe der...
