Späte Rehabilitierung
Bergs «Wozzeck» wurde in Russland bisher nur ein einziges Mal inszeniert – 1927 in Leningrad. Es handelte sich um die zweite Auslandsproduktion nach der Uraufführung (die erste war damals in Prag zu sehen). Seitdem kursiert in Russland das Märchen von den unüberwindlichen Schwierigkeiten des Werks. Die Initiative zum ersten neuen Versuch nach mehr als acht Jahrzehnten ging von Dmitri Tcherniakov aus. Der Regisseur hatte im Bolschoi Theater nach seiner triumphalen «Eugen Onegin»-Deutung eine Carte blanche. Und die setzte er auf Berg.
In dem jungen griechischen Dirigenten Teodor Currentzis, Musikchef der Oper in Nowosibirsk, hatte er bereits für seine Verdi-Studien («Aida» und «Macbeth») einen leidenschaftlich engagierten Partner gefunden. Für beide ist der «Wozzeck» mehr als ein Herzstück, das sie schon immer einmal machen wollten, und die gemeinsame Arbeit in Moskau mehr als ein künstlerisches Bedürfnis. Tcherniakov und Currentzis zählen obendrein zu den Lieblingen des Moskauer Publikums. So warf das Duo seine ganze Popularität in die Waagschale, um die mehrheitlich konservativen Bolschoi-Besucher davon zu überzeugen, dass Bergs Opus summum ein Theatererlebnis für alle Sinne sein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Philippe Jaroussky hat’s geschafft: Als erster Countertenor ist der Franzose in den kleinen Kreis der Opernstars aufgestiegen, die mit ihren Recitals die großen Konzerthallen füllen können und deren Alben sich im Hunderttausender-Bereich verkaufen. Ein Erfolg, der umso bemerkenswerter ist, als Jaroussky bislang keine Kompromisse eingegangen ist: Statt «Ave Maria»...
Sanft steigt die Violin-Lineatur aus dem Graben, die Robert Schumann aus dem Geiste Mendelssohns entwickelt. Diskret verstärken die Holzbläser die Höhenlinien des nazarenischen E-Dur-Andante, das auf ein Alt-Solo zuführt: «Vor Edens Tor im Morgenprangen stand eine Peri schmerzbefangen.» Diese Peri, Figur eines fernen indischen Himmels, ist aus näher nicht genannten...
Mehr als ein halbes Jahrhundert hat sie auf der Bühne gestanden, zuletzt vor zehn Jahren. Ein geschäftstüchtiger Star moderner Prägung ist sie nie gewesen, aber ihre Karriere war stetig und die künstlerische Ernte ihrer Arbeit gewaltig, zum Glück festgehalten in zahlreichen Ton- und einigen Filmdokumenten. Am 20. November ist die Sopranistin Elisabeth Söderström im...
